Zora minimiert

Auf dem Weg

Gelegentlich lese ich etwas von spirituellen Gefahren, aber so recht will dann doch niemand damit herausrücken, was genau passieren könnte. Ich stelle hier zusammen, worauf ich bisher achte und ich hoffe natürlich, ich werde auf meinem Weg niemals die falsche Gabelung nehmen.

Disclaimer: Ich teile hier nur meine Gedanken. Erforsche, was dich ansprichst und ignoriere, was für dich falsch ist.

  • Sei vorsichtig, wenn du jemandem etwas offensichtliches sagen willst. Auch wenn dir klar scheint, womit die Migräne zusammenhängt, du kannst dich irren oder die Person mag nicht dafür bereit sein. Niemand krempelt sein Leben von heute auf morgen um, Änderungen gehen immer Gedanken voraus, die die meisten mit niemandem teilen.
  • Der wichtigste Mensch auf der Welt bist Du. Danach kommen dein Partner, deine Familie, deine Freunde. Du bist keine Hilfe, wenn du ausgelaugt bist. Du kommst nicht weiter, wenn du lieber die Probleme deiner Freunde als deine eigenen löst.
  • Ob du einen Mentor suchst, eine Psychotherapie machst oder einfach nur Sport: Achte auf die Wortwahl des Lehrers. Ob du Vinyasayoga oder Bootcamp machst, eine Freudsche Analyse oder Urschreitherapie, ob dein Ego gebrochen, dein Ich vernichtet oder deine wahre Natur wiedergeboren wird, ist Geschmackssache. Eine Wortwahl, die dich abstösst, ist kein Umgang für dich. Das ist ok.
  • Der Weg ist oft steinig, einsam (nur schon mein Umzug in eine kleinere Wohnung löste bei manche Bekannten Unbehagen aus) und eine Einbahnstrasse. Du kannst nicht zurück, dein altes Leben würde sich falsch anfühlen. Du hast aber jede Menge Gabelungen sehr viele Wahlmöglichkeiten. Dein Weg kann auch darin bestehen, wie Super Mario von Ranke zu Ranke zu klettern (und explodierenden Viehern ausweichen), wenn dir das Bild besser entspricht. Mein Weg ist ein verschlungener Waldpfad. Meistens ist es angenehm warm, weil die Sonne durch die Blätter scheint.
  • Der Dalai Lama hat niemanden gebeten zu konvertieren, das Arbeiten und Beten im Ashram machen nicht einfach so glücklich und Reisen löst keine Probleme. Nutze eine fremde Umgebung, um konzentriert eine Lösung zu finden, glaube aber nicht, das Problem werde sich in Luft auflösen während deiner Abwesenheit. Die Bombe bleibt nicht zu Hause, sie ist immer bei dir.

Was passieren kann, wenn du nicht aufpasst? Du kannst Freunde und Familie verlieren, weil du nicht auf ihre Bedürfnisse achtest. Gönn deinem Partner den Spass, zwei Mal pro Jahr betrunken auf dem Sofa zu übernachten. Gönn deiner Partnerin die Luxustasche, auf die sie  6 Monate gespart hat und verkneife dir Kommentare über ihren Materialismus. Dein 15o-Franken-Stabmixer ist nicht besser.

Du kannst deine Gesundheit oder sogar dein Leben verlieren, ,wenn du im falschen Moment eine alternative Heilmethode annimmst und die konventionelle abbrichst. Krankheiten sind zunächst einfach Krankheiten, dein Körper bekämpft Bakterien oder Viren, die dich krank machen. Warte, bis du gesund bist und einen klaren Kopf hast, bevor du dich langsam an alternative Heilmethoden herantastest. Falls du überhaupt willst. Ich mag spirituell interessiert sein, das hindert mich nicht daran, meine Erkältung mit der Salbe aus der gelben Tube zu behandeln, dabei Cola zu trinken und Salzstengel zu essen.

Du kannst deinen Job verlieren,  weil du Dinge ändern willst, die anderen nicht einleuchten. Argumentiere mit der Produktivität deines Teams, lass deine Spiritualität aus dem Spiel (niemand mag Missionare) oder such dir eine andere Stelle, wenn du die Möglichkeit dazu hast. Wenn nicht, sieh es als deine Aufgabe, das beste aus der Situation zu machen und lerne, dich abzugrenzen. Denk gut darüber nach, ob eine Reikiausbildung wirklich dein Problem löst oder nicht doch eine Flucht bedeutet. Dein Leben ist hier und jetzt auf der Erde in deinem Körper.

Was die einen als spirituelle Krise bezeichnen, ist für andere ein psychischer Zusammenbruch. Ich will hier nicht darüber diskutieren, was richtig ist, aber meiner Ansicht nach besteht der  wesentliche Unterschied darin, ob man die Geister im Griff hat und zu festen Zeiten mit ihnen kommuniziert, oder ob sie die Führung übernehmen und sich ständig in alles einmischen. Hol dir Hilfe und sorge für Ruhe, wenn in deinem Kopf alles drunter und drüber geht.

Mitgefühl heisst nicht, dass du dich heulend unter der Bettdecke verkriechst (geh zum Arzt, wenn du nach einigen Wochen nicht wieder das Bedürfnis hast, das Bett zu verlassen). Mitgefühl heisst auch nicht, dass du den Palästinensern einen eigenen Staat und gleichzeitig den Israelis die Pest an den Hals wünschst. Mitgefühl heisst nicht, dass du Menschen anfängst zu hassen, weil sie Tiere quälen oder essen. Mitgefühl ist das Bewusstsein dafür, dass Menschen fast immer einen Grund haben, so zu handeln, wie sie es tun. Wenn du etwas nicht verstehst, dann geh weiter. Zwing dich nicht, einen Massenmörder zu verstehen, wende dich erfreulichen Dingen zu.

Das erste und einfachste, was du tun kannst ist: Tief durchatmen. Manche Dinge sind universell, aber es gibt 1000 Möglichkeiten, sie zu beschreiben.

 

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Bewusst essen V: das Schokoladentäfelchen

Vor vielen Jahren, ich war knapp volljährig, lud mich die Mutter einer Freundin auf einen Kaffee ein, genauer gesagt, auf einen Eistee. Unsere Getränke wurden serviert und auf der Untertasse lag auch ein Schokoladentäfelchen. Ich mag Schokolade, aber ich esse sie nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie bot mir die Süssigkeit an, die ich höflich ablehnte, eben weil ich gerade ganz zufrieden war. Na los, du magst doch Schokolade, hier, nimm sie! Drängte sie mich. Ich bedankte mich und ass die Schokolade, war allerdings etwas genervt. Selbige Mutter hatte früher angedeutet, ich sollte vielleicht weniger essen.

Vorgestern Abend hatte ich kaum Hunger. Ich war nach der Arbeit noch shoppen, las in meinem neuen Buch (siehe unten) und wartete geduldig auf Appetit. Er kam aber nicht. Ich hatte auch keine Lust auf gebratene Nudeln mit Gemüse, so dass ich am Ende einfach die Banane ass, die ich noch hatte und mich angenehm gesättigt ins Bett begab. Am nächsten Morgen, Freitag, hatte ich nicht einmal mehr Hunger als sonst und selbst das Mittagessen war recht ausgewogen.

Am Abend wollte ich meine Schwester treffen und  begab mich auf den Heimweg, beim Laufen wollte ich wieder runterkommen und Appetit entwickeln. Dann klingelte mein Telefon und sie lud mich spontan gleich zum Nachtessen ein. Sie kocht ziemlich gesund, aber auch schmackhaft, unsere Kochkünste sind quasi Geschwister. Nach dem Risotto gabs als Dessert selbstgemachtes Eis und zu viert teilten wir uns eine Fruchtschnitte. Allerdings blieben einige Stücke übrig. Wir brachen auf zu einer kleinen Bartour.

Nach einigen harmlosen Drinks liefen wir spätabends nach Hause, gönnten uns einen Likör und da lagen noch diese Fruchtschnitten auf dem Tisch. Ich war immer noch angenehm satt, hätte aber problemlos eine oder auch zwei Stücke essen können. Ich überliess sie trotzdem meiner Schwester und in diesem Moment kam mir wieder die Geschichte mit den Schokoladentäfelchen in den Sinn und das Buch, das ich gerade am Lesen bin. Ich hätte die Schnitte ohne schlechtes Gewissen gegessen, beschloss aber, diese Situation als Übung zu betrachten, gerade nicht zu essen, wenn ich nicht unbedingt will. Meine Beherrschung wurde auf die Probe gestellt, als sich der Schwager zu uns gesellte und sich ein Streichkäsebrot zurechtmachte, aber letztlich blieb ich problemlos standhaft. Ich empfand es nicht als Leistung, es ging viel mehr darum, mir bewusst zu werden, dass ich eben Nein gesagt und auf meinen Körper gehört hatte.

Nun also das Buch. Ich lese „Essen als Ersatz“ von Geneen Roth, ein Buch, das vor 30 Jahren erschien, mehrmals überarbeitet wurde und somit nach wie vor sehr aktuell ist. Themen sind Binge Eating, Essen als Ersatz und emotionales Essen. Bisher habe ich mich geweigert, ein solches Buch zu lesen, ich hatte (habe immer noch) nicht das Gefühl, zur Zielgruppe zu gehören. Verbotene Nahrungsmittel? Ekzessives Sporttreiben nach Weihnachten? Der Kaloriengehalt meiner gelegentlichen Big Macs? Kenne ich alles nicht. Ich hatte aus reiner Neugier Artikel zum Thema Essstörung gelesen, aber da ich nicht so recht ins Schema passte, blieb es bei distanziertem Wissen.

Ich bin erst im zweiten Kapitel, aber ich mag Roths Schreibstil, sie beschreibt sehr gut, wie wir (oft Frauen) denken. Wie wir, statt einfach jetzt zu essen, was wir wirklich brauchen, an die Zukunft denken oder die Vergangenheit, wie wir unsere Sünden wettmachen oder künftige vermeiden könnten. Korrekt essen nimmt quasireligiöse Züge an.  Aber vorallem hat sie viele konkrete Übungen bereit. Ich werde zuerst das Buch lesen und interessante Gedanken anstreichen (das mache ich sonst nicht) und danach mit der einen oder anderen Übung anfangen. Sie geht soweit zu sagen, man solle, wenigstens bei Freunden, geradeheraus sagen, dass man gerade gar keinen Bock auf Spargeln mit Rohschinken hat und stattdessen etwa um ein belegtes Brot bitten. Das ist auch bei Freunden nicht einfach, aber mich entlastet allein das Wissen, dass sowas dazugehört, man eben gerade überhaupt keine Spargeln verträgt. Heute habe ich Kabis gekauft, voller Vorfreude auf einen gesunden Tag, aber als ich zu Hause ankam, war mir nach Chips. Ich habe trotzdem Kabissalat gemacht, danach jedoch Chips geholt. Das ist nicht optimal, ich weiss nämlich eigentlich, dass ich bloss zu wenig Salz aufgenommen habe. Es gäbe also ganz sicher bessere Möglichkeiten, mein Defizit aufzuholen. Aber ich bin vorerst zufrieden damit, solche Dinge immer besser wahrzunehmen.

Ich hatte auch noch Ferien, zum ersten Mal nach fast 20 Jahren mit meinen Eltern. Das ging im grossen und ganzen gut. Interessant ist, dass wir viel draussen waren und liefen und ich teilweise mit sehr wenig Essen zurechtkam. Es war heiss, ich trank ziemlich viel Wasser und recht mühelos ass ich Abends den einen oder anderen Salat. Mich hat allerdings genervt, dass wir tagsüber das Wasser teilten, das für mich manchmal nicht genug war, meine Eltern am Abend meistens ein Bier tranken und mich dann jedes Mal etwas schräg anguckten, wenn ich auf mein Wasser bestand. Ich schrieb gerade, ich hätte recht viel Wasser getrunken, allerdings stimmt das nur zur Essenszeit. Wenn ich nicht weiss, wann und ob ein WC verfügbar sein wird, trinke ich weniger als wenn ich zu Hause bin und mein eigenes WC habe oder weiss, dass 3 Minuten entfernt ein kostenloses zur Verfügung steht. Jeden Abend 3/4 Liter Wasser zu trinken, während die anderen sich auf ihr Bier freuen war, manchmal anstrengend. So, wie das Schokoladentäfelchen oder viele andere Situationen. Sich zu belohnen ist so weit verbreitet, dass „Verweigerer“ manchmal fast als Spielverderber betrachtet werden. Dabei ist mir ziemlich egal, was andere essen.

Der nächste Schritt drängt sich auf

Ich bin zwar nicht so weit, wie ich gehofft hatte bezüglich besser essen, weniger ausgeben und überhaupt ein besserer Mensch werden, anderseits muss nun mal nicht alles perfekt sein, bevor der nächste Schritt in Angriff genommen wird. Seit längerem köchelt da was vor sich hin.

Seit 5 Jahren gehe ich im Sommer einigermassen regelmässig schwimmen und immer noch kann ich mich gelegentlich dazu motivieren, auch allein ins Hallenbad zu gehen. Ich hoffe, ich finde nicht wieder überzeugende Ausreden, um nicht hinzugehen. Wobei, was heisst da Ausreden, abends nach dem Arbeiten ist es überfüllt, zu anderen Zeiten gibt es dafür auch mal dringendere Ding wie Wäsche waschen oder schlicht ausschlafen. Im Moment bin ich aber ziemlich viel draussen.

Ich hoffe zwar, bald einen anderen Job finden, aber bis es soweit ist, pendle ich zu wenig als sich ein volles Tageszeitungsabo lohnen würde. Deswegen habe ich mein Abo auf 2 Ausgaben pro Woche reduziert. Ich bin gespannt, wie ich damit umgehen werde. Seit Frühling gab es recht viele Artikel, die mich nervten, diese fallen jetzt weg. Ich gucke noch ein Bisschen öfter zum Fenster raus, wenn ich arbeiten gehe und werde wohl die eine oder andere leichte Lektüre mit mir rumschleppen.

Dringender als ein neuer Job ist allerdings ein neuer Wohnort. Meine Wohnung ist mir zu dunkel und die Gegend, sagen wir mal, alles in allem etwas düster. Seit ich (im Winter und bei anhaltend schlechtem Wetter) Vitamin D nehme, merke ich, wie mich das runterzieht. Es hat zu wenig Grün in der Umgebung, mir fällt immer mehr auf, wie wichtig mir Bäume und Gras sind, damit ich zur Ruhe kommen kann, wenn auch nicht ganz so wichtig wie Wasser. Anderseits will ich doch in der Nähe von Zürich bleiben, eine meiner Bedingungen ist, innerhalb von 20 Minuten am Hauptbahnhof zu sein, ohne zuviel umzusteigen oder zu schlechte Verbindungen zu haben. Die Wohnungssuche um Zürich ist allgemein schwierig, das ist aber kein Grund, mich mit etwas zufriedenzugeben, was mir nicht gefällt oder gar aufzugeben. Ich bin stur. Allerdings bin ich mir völlig unsicher, ob ich weiterhin allein wohnen will oder doch gerne wieder eine WG hätte. Je nach Laune bin ich da sehr schwankend.

Vorallem hoffe ich, mit einer grüneren Wohnlage mein Ersatzessen zu kompensieren. Ich muss einen Weg finden, meine vielen Eindrücke effizienter zu verarbeiten statt meine Sinne zu betäuben. Es sei denn, mit Musik, wenn ich sauer bin, helfen Punk und Heavy Rock (Godsmack) besonders gut. Da kann nichts passieren, so lange ich in einigermassen vernünftiger Lautstärke höre. Das ist um Welten besser als Drogen, von denen ich mehr oder weniger die Finger lasse. Ich habe einige sensible und intelligente Menschen getroffen, die keinen anderen Weg sahen, mit der Welt auszukommen, als mit ziemlich viel Gras. Ich halte das nicht für die schlechteste Lösung, allerdings funktioniert es selten gut und birgt Risiken. Ohne ehrliche Selbstbeobachtung und konsequente Konsumpausen geht es nicht.

Bald gehts in die Ferien, danach fange ich mit Chorsingen an. Das Projekt Die Schöpfung von Haydn ist eigentlich nicht mein Geschmack, aber vierstimmig zu singen macht mir so viel Spass, dass ich darüber hinwegsehen kann. Ausserdem habe ich probeweise zwei Mal an einer Meditationsstude teilgenommen, das möchte ich für zwischendurch beibehalten. Und wenn es weniger heiss ist, steht der 5-Rhythmen-Tanz auf meiner Probierliste. Mehr dazu voraussichtlich in einem kommenden Post.

Europa als nicht gerechtfertigte Norm

Neuerdings überschlagen sich meine Zeitungen mit den Begriffen „White Privilege“ und „Cultural Apropriation“. Ich verstehe zwar zu weiten Teilen, was damit bezweckt wird und unterstütze grundsätzlich die Idee. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die vergiftete Diskussion aus den USA eins zu eins in Europa übernommen wird und Schaden anrichtet.

Besonders stösst mir der Begriff „weisse Privilegien“ auf. Ein Privileg ist ein Sonderrecht, ein Recht, das häufig  ohne nachvollziehbare Begründung vergeben wird. In der Diskussion werden zahlreiche Privilegien vorgeführt, die ich als Mitteleuropäerin haben soll. Nehmen wir als Beispiel das Recht, als unauffällige Person am Zoll durchgewunken zu werden. Es handelt sich eigentlich sogar um ein Menschenrecht, das ausserdem in Europa konzeptiert wurde: Niemand darf aufgrund seiner Ethnie, seiner Religion oder aufgrund seines Geschlechts diskriminiert werden. Wird jemand wegen seiner Hautfarbe oder Frisur aufgehalten, wird sein Menschenrecht verletzt.

Die Grundrechte sind umfassend, sie beinhalten auch das Recht auf Bildung, Versammlungsfreiheit und die Wahl des Lebensmittelpunktes. Ich finde es etwas ironisch von einem Privileg zu sprechen, während sich Europa bemüht, die Menschenrechte überall auf der Welt durchzusetzen. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass die europäischen Werte über alle Zweifel erhaben sind.

Zurück zum Privileg. Nehmen wir an, es gibt das Privileg der Weissen (was macht jemanden überhaupt zu einer weissen Person?), beim Zoll durchgewunken zu werden.  Wir möchten die Ungleichheit beseitigen. Was sind die Möglichkeiten?

a) Wir gewähren das Recht allen Grenzgängern. Es ist kein Sonderrecht mehr, sondern ein Menschenrecht, das, was es sein sollte.

b) Wir schaffen das Privileg ab. Das heisst, jeder kann am Zoll aufgehalten werden. Jede Frau, egal welcher Hautfarbe oder Religion, kann willkürlich stundenlang festgehalten und durchsucht werden. Ob sie ihren Flug erwischt, hängt von der Willkür der Zollbeamten ab. Korruption und Machtmissbrauch wären naheliegende Folgen.

Ich glaube nicht, dass jemand gerne mit Korruption und Machtmissbrauch lebt. Zudem würde eine solche rechtslose Situation unweigerlich dazu führen, dass die angenommenen Privilegien verfestigt werden oder erst recht entstehen.

Ganz ähnlich stellt sich die Situation mit dem Begriff der kulturellen Aneignung. Tatsächlich gibt es grosse Ungerechtigkeiten und ökologische Probleme, weil Pharmafirmen versuchen, jedes denkbare Kraut zu patentieren. Als ob die Entdeckung eines Krauts gleichbedeutend wäre mit dessen Erfindung. Es ist ganz klar unrecht, wenn etwa den Amazonasbewohnern ihre Pflanzen gerodet oder patentiert und teuer verkauft werden. Auf persönlicherer Ebene ist es nicht in Ordnung, sich über Kultur oder Aussehen lustig zu machen. Es ist nicht in Ordnung, eine ungenehmigte Aufnahme eines Didgeridoospielers für einen billigen Technotrack zu benutzen. Ich komme später auf die Musik zurück.

Ich finde es allerdings völlig übertrieben und kontraproduktiv zu diskutieren, wer Dreadlocks tragen darf. Es gibt vermutlich nicht einmal eine Kultur, die die Frisur erfunden hat. Es mag sein, dass Dreadlocks in den USA vorallem mit Afroamerikanern in Verbindung gebracht werden und es somit einen rassistischen Unterton hat, wenn andere die Frisur tragen. In der Schweiz und in Deutschland ist das aber viel weniger der Fall. Als die Dreads Ende der 90er in waren, waren viele Fans voller Respekt und Neugierde für den kulturellen Hintergrund. Vom einen oder anderen hiess es sogar, je mehr und dicker die Dreads unter dem grossen Tuch oder der dreifarbenen Mütze, desto mächtiger der Mann, der zusätzlich auch noch enthaltsam bleiben musste, um seine Stärke zu behalten. Interessanterweise kann ich mich an keine weibliche Legende erinnern, Dreadlocksträgerinnen versuchten aber normalerweise, ihren eigenen Weg zu gehen und stiessen dabei manchmal auf Widerstand. Klar gab es Mitläufer, natürlich ist es auch Teil einer Jugendkultur. Dennoch gab es ein Bewusstsein dafür, was dahinter steckt. Noch früher, in der Primarschule, gabe es ein Mädchen, das oft mit vielen Zöpfen zur Schule kam und manchmal einzelne Strähnen in Garn wickelte. Vielleicht hat sie deswegen den einen oder anderen dummen Spruch gehört, ich  kann mich allerdings nicht an grosse rassistische Probleme erinnern. Viele Mädchen bewunderten ihre Frisur.

Ich habe auch hier das Argument umgekehrt. Wenn ich blond wäre und es mir nicht erlaubt wäre Dreadlocks zu tragen, wäre es dann in Ordnung, dass Asiaten ihr Gesicht bleichen und Afrikaner ihre Haare strecken? Wenn ja, warum?

Warum dürfte ich keine Aborigines besuchen und das geschenkte Didgeridoo für eine interessanten Technofusiontrack spielen, während es den Asiaten erlaubt ist, ihren Kindern Klavier oder Geige beizubringen?

Warum finde ich es in Ordnung, dass meine Bekannte Ohrringe in Form des afrikanischen Kontinents trägt, finde es aber peinlich, wenn der Arbeitskollege ein Schweizer Kreuz auf dem T-Shirt trägt? Was würde geschehen, wenn ich Europa im Ohr tragen würde?

Beide Diskussionen wollen Menschen einander gleichstellen. Sie rechnen jedoch auf, was jeder für Fehler macht, statt zu diskutieren, wie diese sich vermeiden liessen. Wenn universale Menschenrechte durchgesetzt werden, haben alle etwas davon. Was den kulturellen Austausch und den Handel mit interssanten Pflanzen und Tieren betrifft, so braucht es schärfere Gesetze, die sicherstellen, dass die lokalen Bewohner überleben können und angemessen am Gewinn beteiligt werden. Es geht um Respekt und Gleichberechtigung, nicht um Besitz.

 

 

 

 

Die Tinguely-Maschine des Lebens

Neulich habe ich entdeckt, dass bei mir alles mit Wasser anfängt. Abgesehen davon, dass Wasser meine Sorgen besser mitnimmt als das Blätterrauschen im Wald, steht und fällt alles mit dem Trinken. Zuwenig Wasser macht mich tagsüber extrem müde und hält mich nachts vom Einschlafen ab. Schlechtes Schlafen führt dazu, dass ich am nächsten Tag müde bin, das mit Kaffee oder Tee ausgleiche, nicht spüre, worauf ich Appetit habe, gestresst bin und dann nur noch ins Bett will. Dehydriert und verspannt. In einem ersten Schritt habe ich mir einen kleinen Leitspruch ausgedacht: Drink – Sleep – Eat well. Das ist der Begrüssungstext auf meinem Handy geworden.

Um mir den Zusammenhang besser zu merken, habe ich sogar eine Grafik mit Word gezeichnet und ausgemalt. Bei mir muss das Wasserrad immer wieder angetrieben werden, ich habe da an eine komplexe Tinguely-Maschine gedacht mit Zahnrädern, Riemen, Hebel und Pendel. Jeder Mensch hat eine andere Maschine, bei anderen hängt alles davon ab, dass sie mindestens 5 Minuten pro Tag joggen oder es geht nichts ohne eine Viertelstunde malen.

Ich habe noch andere Dinge, die mich wieder in den Takt bringen: Tagebuchschreiben, singen und Gitarre spielen.

Die Tinguely-Maschine gefällt mir noch in einem anderen Punkt: Wenn man zu viele Dinge aufs Mal ändern will, überfordert das einen. Grosse, schwere Räder sind langsam in Gang zu bringen. Andererseits gibt es manchmal kleine Räder, die überraschenderweise zusammenhängen und nichts spricht dagegen, ihnen allen gleichzeitig einen Schubs zu geben und sich erst danach wieder einem grossen Rad zuzuwenden. Genug Wasser und Schlaf haben mir diese Woche genug Antriebskraft gegeben, um tatsächlich mit Lust schwimmen zu gehen. Und morgen gehe ich wieder. Sonntag ist eine Wanderung angesagt. Ich freu mich schon darauf 🙂 Ich bin gerade sehr motiviert, das Bewegungsrad am Laufen zu halten, auch wenn ich es ursprünglich langsamer angehen wollte.

Ich bin zurück…. mehr oder weniger

Ich habe mal wieder überlegt, ob ich den Blog weiterführen oder sterben lassen soll. Ich habe mich fürs Wiederbeleben entschieden, allerdings voraussichtlich ohne Kommentierfunktion. Weiterlesen

Umweltschutz, Nachhaltigkeit und meine Werte: Wie gross ist die Übereinstimmung?

Vor bald 3 Jahren habe ich mein Naturkosmetikprojekt begonnen und enthusiastisch wollte ich nach und nach weitere Bereiche meines Lebens nachhaltiger gestalten. Ich finde nach wie vor, es landet zu viel Gift in der Natur, ohne die wir nicht leben können, aber viel mehr Argumente gibt es nicht. Was kein Problem sein müsste, wir wissen ja noch nicht alles. Leider bezweifle ich inzwischen, ob es da genug zu wissen gibt.

Noch bevor ich las, hormonwirksame Zusätze in Shampoos und Bodylotions würden im Wasser landen und Tiere sterilisieren, hörte ich von der Aluminiumstudie. Ich greife vor: Rein wissenschaftlich gesehen ist unklar, ob die Aluminiummengen in Deos tatsächlich einen Einfluss auf den menschlichen Körper haben. Anfang der Nullerjahre war das eine Hypothese, an die man glauben konnte oder auch nicht und ich glaubte nicht daran. Eine Freundin verzichtete jedoch ganz auf Deo. Dieselbe Freundin erklärte mir einige Jahre später, es gebe junge und alte Seelen und die europäischen Seelen seien älter und erfahrener. Ich weiss nicht, wie die „Theorie“ genau entstand, aber es läuft darauf hinaus, dass afrikanische Mädchen selber schuld sind, wenn sie nicht zur Schule können. Weitere Konsequenzen dieser Argumentation überlasse ich euer Fantasie. Die Sache mit dem Deo finde ich nicht schlimm und heute verzichte ich auch auf Aluminium und einige andere Zutaten. Das mit den alten und jungen Seelen fand ich bedenklicher, ich kam aber nicht auf die Idee,  ihr Interesse an Biolebensmitteln könnte irgendwie damit zusammenhängen. Biologischer Anbau ist schliesslich ein linkes, grünes Anliegen. Oder etwa nicht?

Fast die gesamte Theorie der biologischen Landwirtschaft lässt sich auf Rudolph Steiner und sein biologisch-dynamisches Konzept zurückführen. Im Kern seines Lebenswerks steht das Konzept einer feinstofflichen Welt, in der alle Lebewesen miteinander verbunden sind. Eng mit seinen Theorien verknüpft ist seine Vorstellung, hellhäutige Menschen seien weiter entwickelt als dunklere. Ich weiss nicht, ob die oben erwähnte Idee von alten und neuen Seelen direkt auf ihn zurückzuführen sind, aber ein besonders grosser Gedankensprung ist das nicht. Um 1900 war die eine oder andere Idee von ihm und anderen (etwa Blavatski oder Hahnemann, der Gründer der Homöopathie) vielleicht sogar fortschrittlich. Das kleine Problem ist, dass nichts davon heute wissenschaftlich zu belegen ist. Das grosse Problem ist, wie die Geschichte weiter ging.

Ich weiss nicht warum, aber diese feinstofflichen Theorien fanden Anklang bei Menschen, die später den zweiten Weltkrieg führten und einige Millionen Menschen bestialisch umbrachten. Die nationalsozialistische Geschichte ist fest mit esoterischen Inhalten verknüpft, die sich zur Rassenlehre verdichteten. Unter Hitler entstanden scharfe Tierschutzgesetze, wobei er ziemlich willkürlich festlegte, welche Tiere lebenswert sind. Missliebige Insekten gehörten nicht dazu. Im Rassen- und Reinheitswahn wurde auch gleich festgelegt, wer lebenswert ist. Behinderte Menschen gehören nicht dazu.

Der zweite Weltkrieg ging vorbei. Peter Singer forschte zum Thema Tierethik und seine Bücher wurden zur Grundlage des Veganismus. Ich habe mich nicht mit ihm auseinandergesetzt, aber offenbar sind zumindest seine Ansichten darüber, wer oder was lebenswert ist, problematisch. Er diskutiert, ob behinderte Babys getötet werden sollten und im weiteren hat er den (Anti)speziesismus als Begriff eingeführt. Die menschenfeindliche Hetze, die mir im Netz immer wieder begegnet, lässt sich ohne weiteres mit seinen Ansichten begründen, unabhängig davon, ob er die veganen Diskussionen unterstützt oder nicht. Ich werde mich vorläufig nicht näher mit ihm befassen.

All das hatte ich im Sommer 2014 schon irgendwo gelesen oder geahnt. Seit der Aluminiumstudie waren etwa 10 Jahre vergangen. Ich war zwecks Austausch in Sachen Naturkosmetik einer kleinen Facebookgruppe beigetreten, als jemand fragte, wie das nun mit dem Aluminium im Deo sei. Da noch keine gehässige Diskussion im Gang war, schrieb ich, die wissenschaftliche Lage sei unklar, trotzdem hätte ich mich entschieden, auf Aluminium zu verzichten. Nun begann die übliche Litanei, es gebe nun eindeutige Studien, aber man müsse sie halt suchen. Um es kurz zu halten: Niemand hat jemals irgendeine Studie vorgelegt, die die gängigen wissenschaftlichen Annahmen widerlegt. James Randi bietet 1 Million Dollar demjenigen, dem das gelingt. Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass ich als dumm beschimpft wurde, keine Studie empfohlen bekam und die Gruppe verliess. Einzig eine Krankenschwester unterstütze mich. Ein ähnliches Schicksal erlitt eine Verschenkgruppe, deren Administrator schliesslich im Wochentakt zum Veganismus aufrief.

Ich hatte die Nase voll und versuchte von da an, vegane Blogs zu meiden und klickte Minimalismusvideo von Veganern weg. Umsonst. Naturkosmetik führt zu Minimalismus, weiter zur Meditation und letztlich zum Veganismus. War ich in einer Schleife gefangen?

Ich fasse zusammen: Ich bin der Meinung, die Umwelt sei zu schützen, weil wir Teil davon sind und ohne Pflanzen und Tiere schlicht nicht überleben können. Die dafür angebotenen Lösungswege sind jedoch oft ethisch  fragwürdig, wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, radikal und teilweise nicht alltagstauglich. Schafft es jemand, mit Second-Hand- oder fair produzierter Kleidung in Grösse 42 gut auszusehen und nicht zu verarmen? Ich nicht. Kennt jemand einfach zu beschaffende, nachhaltige Möbel? Kein Portal hat mir bisher eine konkrete Marke empfohlen.

Ich habe wirklich Freude an meinen naturkosmetischen Artikeln, aber alles andere scheint mir schwer umsetzbar. Wie überzeugt man so andere mitzumachen? Ein gutes Gewissen reicht einfach nicht als Argument.

Links:

https://www.vice.com/alps/article/warum-sind-rechte-so-tierlieb

http://www.berliner-zeitung.de/oeko-und-rechts-wie–voelkische-siedler–ganze-doerfer-unterwandern-391000

http://www.deutschlandradiokultur.de/auf-dem-rassistischen-auge-fast-unbelehrbar.954.de.html?dram:article_id=146070

Buchtipp:

Achtung, Anthroposophie!: Ein Kritischer Insider Bericht (Lydie Baumann-Bay)

Kaum wahrnehmbar, kaum bekannt

Gestern Abend wollte ich mir einen ruhigen Abend mit dem aktuellen Buch gönnen. Ich war jedoch etwas unruhig, obwohl dazu kein offensichtlicher Grund bestand. Trotzdem schlief ich ein, wachte jedoch kurz nach 11 auf, als wäre etwas explodiert. Ich fühlte mich unendlich einsam. Ich konnte mich weder an ein ungewöhnliches Geräusch erinnern, noch an einen (Alb)traum. Nach einiger Zeit beruhigte ich mich und schlief wieder ein.

Normalerweise würde ich das Erlebnis achselzuckend zur Kenntnis nehmen, was solls, gelegentlich wache ich wegen der merkwürdigsten Dinge auf. Manchmal glaube ich Schatten zu sehen, aber auch dafür habe ich eine rationale Erklärung. Ich erfuhr jedoch heute Morgen, dass es in der Zentralschweiz am Vorabend heftige Beben gegeben hatte. Nachbeben gab es in der ganzen Schweiz.

Beim grossen Beben war ich wach, nahm jedoch bewusst nichts wahr. Ich erinnerte mich allerdings heute, dass ich bei Erdbeben schlecht schlafe. Es kann Zufall sein, zwei Beben sind eigentlich nicht genug, um eine Theorie aufzustellen. Ich habe trotzdem gegooglet, ob Beben psychische Nachwirkungen haben können. Zunächst fand ich nichts, was auf mich zutreffen würde, schliesslich war ich weder verletzt noch hatte ich mein Haus verloren. Ich stiess jedoch auf den Infraschall und hier wurde es interessant.

Infraschall sind sehr tiefe Töne, die wir Menschen nicht als Ton wahrnehmen. Bestenfalls nehmen wir ein Brummen wahr, das wir nicht orten können, häufiger ist aber ein unbestimmtes Vibrieren oder sogar Angstgefühle.  Besonders tiefe und dazu sehr laute Töne sind potenziell tödlich, da sie auf verschiedene Organe wirken. Die Töne kommen in der Natur vor, Elefanten kommunizieren mit ihnen, sie entstehen bei grossen Wellen, Wind, Gewittern oder eben Erdebeben. Viele Tiere bringen sich bei einem Erdbeben zeitig in Sicherheit und vermutlich nehmen sie genau diese Töne wahr. Vielleicht auch magnetische Änderungen, sofern Erdbeben solche auslösen können.

Menschen nehmen die Vibrationen manchmal als Teil des Wetters wahr, sie entstehen aber auch künstlich durch grosse Maschinen, leistungsfähige Subwoofer oder schiefe Wände und Unebenheiten in (alten) Häusern. Der Ton führt zu Angst und Frösteln, möglich sind auch leichte Halluzinationen, kurz: Was wir als Spuk bezeichnen, lässt sich in vielen Fällen mit Infraschall erklären.

Ich kann nicht beweisen, dass ich wegen des Bebens Infraschall wahrgenommen und darauf reagiert habe, es gibt durchaus naheliegendere Erklärungen, vielleicht eine leichte Panikattacke oder meine erste Migränenaura. Anderseits ist Infraschall eines dieser Phänomene, die in der Natur recht häufig vorkommen, jedoch relativ wenig bekannt sind, so dass man kaum etwas darüber weiss und leicht erschrickt. Wer weiss schon, dass manche Wokenformen unter bestimmten Lichteinfall zwangsläufig wie UFO aussehen, dass Wetterballone unter bestimmten Umständen von blossem Auge erkennbar sind oder dass die Schlaflähmung oft zu Albträumen mit fiesen Kobolden und Schattenwesen führt? Die in unserer Gesellschaft leicht für Ausserirdische gehalten werden? Für Fachpersonen ist das alles nicht der Rede wert, wer aber nichts davon weiss, kann sehr erschrecken.

Vielleicht helfen meine Gedanken jemandem. Mögliche Recherchegebiete: Meteorologie, Infraschall, Psychoakustik, Neurologie (eine Migräne wäre unangenehm, aber in den meisten Fällen ungefährlich)

Haarpflege II

Ich hatte meine Haare  ein Jahr lang nicht geschnitten, was selbst für meine Verhältnisse sehr lange ist, ich bin eigentlich der Meinung, Spitzen schneiden müsste alle 4-6 Monate sein, wenn ich die Mähne wachsen lassen will. Aber irgendwie flog der Herbst dahin und ich hatte keine Lust oder keine Zeit für den Coiffeur. Keine Lust vor allem, denn meistens wollen sie mir 1000 Produkte verkaufen und massieren und sonst noch Dinge tun, die ich nicht brauche. Vor 2 Wochen habe ich dann endlich einen Coiffeur gesucht und offenbar gefunden (er schneidet und sonst (fast) nichts, sehr angenehm) und habe die kaputten Spitzen schneiden lassen. Zumindest vorne hatte ich ziemlich viel Spliss. Meine Haare sehen wieder besser aus.

Bevor ich weitererzähle, hier meine aktuelle Pflegeübersicht für meine Haare:

  • nass machen, Wurzeln shampoonieren, gründlich auswaschen
  • Conditioner in die Längen, währenddessen Gesicht waschen und was auch immer tun, was gerade getan werden muss
  • Conditioner gründlich auswaschen
  • Haare mit dem alten T-Shirt vorsichtig antrocknen
  • mit dem Kamm einen Scheitel ziehen und Haare etwa so hinlegen, wie sie später liegen sollen und etwas kämmen
  • Haare an der Luft fast ganz trocknen
  • Haare kämmen und bürsten
  • Haare ölen und, wenn ich Zeit und Lust habe (also selten) crunchen

Ich bin sehr schnell wieder davon weggekommen, die Haare nicht zu bürsten, man sieht es einfach, wenn ich nichts mache. Stattdesse bürste ich und benutze anschliessend den Leave-In-Conditioner. Ob Spray oder Creme ist wohl Geschmackssache. Gehe ich abends aus, knete ich das selbe Produkt nochmals ein nach dem Bürsten. Noch lieber wasche ich sie natürlich, aber ich will auch den 2-Tages-Rhrythmus einhalten. Habe ich die Mähne am Donnerstag gewaschen, muss am Freitag das Auffrischen genügen und das tut es meistens auch.

Das Öl muss ich in die feuchten Haare kneten, sind sie erst mal ganz trocken, zieht es nicht mehr ein und meine Haare fühlen sich knusprig an.

Trotz Conditioner, Öl und Leave-In-Conditioner (von Urtekram mit Kokosöl, nach dem Sauberkunst-Shampoo mein Lieblingsprodukt im Moment) sind meine Haare hinten sehr trocken. Ich vermute, es gibt nicht das eine Produkt, das die Haare 2 Tage lang geschmeidig hält, aber verschiedene Pflegeprodukte, die die Haare immer wieder mit Feuchtigkeit versorgen und zwischendurch aufgetragen werden sollen.

Diese Routine wende ich jeden 2. Tag an und lasse nur selten etwas weg. Bin ich etwa unterwegs, wasche ich die Haare nur mit Shampoo und nehme nur den alten Pflegespray von Alverde mit. Was ich ausprobieren will: die gelegentliche, reichhaltige Haarkur. Aber die kaufe ich mir, wenn ich weniger pleite bin. Ich habe mich auf Konsumdiät gesetzt, gekauft wird nur, was wirklich notwendig ist. Leider ist das ziemlich viel.

Ich gucke mir gerne Tutorials für Afrolocken an, allerdings wäre die vorgeschlagene Pflege zu reichhaltig für meine Haare. Ich habe auch gar keine Lust, mich jeden Morgen 10 Minuten nur mit der Pflege meiner Haare zu beschäftigen, was ich mache, muss schnell gehen. Im Bad bin ich in erster Linie Minimalistin, Eitelkeit kommt an zweiter Stelle.

Bewusst Essen IV

Keine Sorge, es gibt noch andere Dinge, über die ich bei Gelegenheit bloggen will. Vorneweg kann ich auch gleich verraten, dass ich weiterhin genug esse, keine meiner eher seltenen Einladungen ausschlage und weiterhin keine Verbote kenne.

Auf den ersten Blick tut sich nicht viel, ich bin längst nicht so diszipliniert, wie es Anfang Jahr noch aussah. Ich mache keine Meditationsübung vor dem Essen, ich übe sie auch nicht mit der CD vor dem einschlafen und ich gehe weder regelmässig schwimmen noch mache ich Yoga. Letzte Woche war die reinste Schinkenorgie und gestern haben sich einige gewichtige Süssigkeiten in meinen Abend geschlichen. Ausserdem ist mein Spinatkäsekuchen misslungen und ich gestehe, 1/7 entsorgt zu haben. Die geschichteten Spinatblätter auf angebackenem Dinkelteigboden waren keine gute Idee, der Käse vermischte sich nicht und der Rahm schwamm obenauf. Obwohl ich die Blätter vorgekocht und gewürzt hatte, schmeckten sie unangenehm gesund. Vielleicht probiere ich es nächstes Mal doch lieber mal mit Börek. Scheint mir nicht übertrieben aufwendig zu sein.

Und doch… Ich nehme weiterhin meine D-Vitamine vom Supermarkt und sie haben mich davor bewahrt, zu viel zu rauchen. Trotz gelegentlicher Aussetzer gönne ich mir weniger Snacks und habe gelegentlich mit klarer benennbaren Gefühlen wie Unruhe oder Eifersucht zu kämpfen. Naja, kämpfen finde ich übertrieben, wir sprechen von normalen Gefühlen, die gelegentlich auftauchen. Sie hindern mich im Allgemeinen weder am Schlafen noch führen sie zu endlosen Grübeleien. Das unangenehmste Gefühl ist allerdings Wut auf Dinge, die ich nicht so schnell ändern kann. Trump wird wohl nicht schon morgen aus dem Verkehr gezogen und auch nächstes Jahr wird es schwierig sein, zum Studiumsende eine mir genehme Firma zu finden. Ich fühle mich ähnlich wie als Teenager. Jedenfalls kommt es mir so vor. Im letzten Jahr hat sich allerdings eine mütterliche Nuance hereingeschlichen und ich bin gespannt, was sich hier weiter entwickelt. Vorläufig jedoch spiele ich meine alten Gitarrenstücke. Nicht jeden Tag, aber doch mehrmals die Woche.

Ich esse weiterhin meistens mit Appetit morgens mein Joghurt mit den 5 Vollkornflocken. Nun ja, zumindest an Arbeitstagen. Diese Kohlenhydrate morges spare ich mittags wieder ein. Das heisst, insgesamt hat sich an der Menge meiner  Kohlenhydrate kaum etwas verändert, ich habe allerdings seither weniger Lust auf Teigwaren, Die Vollkornflocken vertrage ich besser als Vollkornmehl. Den zusätzlichen Platz auf meinem Mittagsteller kann ich manchmal mit Gemüse auffüllen, allerdings wird im Moment ziemlich oft Fisch angeboten und ich sage dazu selten nein. Dafür esse ich weniger Fisch zu Hause.

Was das Buch Abnehmen durch Achtsamkeit betrifft, stecke ich im zweiten Kapitel fest. Ich mag die Übungen, aber wenn ich Gitarre spiele, habe ich irgendwie keine Lust, danach noch zu meditieren, seien es auch nur 10 Minuten. Ausserdem sollte ich zur aktuellen Übung aufschreiben, wie ich mich fühle, wie ich gegessen und wie ich geatmet habe. Welchen Körperteil ich bei der Übung spüre. Abgesehen von etwas mehr Bewusstsein für meinen Körper kam mir das Schreiben banal vor und ich gab es wieder auf. Ausserdem konnte ich mich nicht dazu überreden, die Kurzversion der Übung vor dem Essen durchzuführen. Ich überlege allerdings weiterhin, worauf ich gerad Lust habe(n könnte) und das Gemüseangebot der Kantine entspricht wieder eher meinem Geschmack. Zudem benutze ich die lange Meditationsversion oft, um vor dem Einschlafen zu entspannen. Das funktioniert recht gut. Vor 2 Wochen konnte ich einmal gar nicht einschlafen, also loggte ich mich auf Youtube ein und suchte eine Entspannungsübung. Am Anfang dachte ich: Damit soll ich einschlafen können? Aber mein Bewusstsein verringerte sich wie das Sichtfeld zum Tunnelblick, wenn ich zu wenig gegessen habe und schockiert bin. Ich schlief umgehend nach der Übung ein.

Auch die Spaziergänge behalte ich ohne grossen Aufwand bei. Wenn ich um halb 8 im Büro sein muss, verzichte ich darauf und ein guter Ersatz für nach der Arbeit fehlt noch, heute machte ich allerdings eine Aufnahme, weil ich schon um 4 wach war und es sich nicht lohnte, eine Stunde später noch einschlafen zu versuchen.

Ich spaziere, lerne, mich mit Meditationsübungen zu entspannen, überlege, was ich essen will und spiele Gitarre. Ich sollte mir gratulieren, dies relativ problemlos hinzukriegen.