Zora minimiert

Harry-Potter-Besessenheit

Warnung: Horkruxbesprechung im Detail.

Das letzte Harry-Potter-Buch kam vor 10 Jahren raus und der letzte Film ist auch schon eine Weile her. Trotzdem gibt es immer wieder Neues in der Zauberwelt zu entdecken, seien es auch nur merkwürdige Fragen. Die erste ist, ob Hermine Viktor geküsst hat.

Ich habe ein Forum gefunden, in welchem über 28 Seiten diskutiert wird, welche Beziehung Hermine zu Viktor hatte. Ich bin erst auf Seite 3 und habe die volle Absicht, den ganzen Thread zu lesen, obwohl ich bezweifle, dass die Fans zu einer abschliessenden Antwort kommen werden, es sei denn, die uralte Diskussion erhält neue Infos von J. K. Rowling. Sie findet zwischen dem 6. und 7. Buch statt. Wobei, es gibt so ein interessantes Detail…

Es gibt zwei Quasibeweise für einen Kuss zwischen Hermine und Viktor: Darauf angesprochen ist Harry ziemlich sicher, dass einer stattgefunden hat, später wirft Ginny Ron an den Kopf, jeder habe bereits Erfahrungen ausser er. Ebenfalls dafür spricht, dass ab Band 5 Verliebtheit allgegenwärtig ist und Hermine sowohl auf dem Laufenden ist als auch Harry Tipps bezüglich Cho geben kann. Zu guter Letzt scheint nichts darauf hinzudeuten, dass Hermine überhaupt kein Interesse an Jungs hätte oder sich aufspart für die wahre grosse Liebe. Ausserdem denke ich, dass die körperliche Seite der Verliebtheit nicht Thema der Harry-Potter-Bücher sein soll und somit nicht mehr thematisiert werden muss, als sie es wird.

Ich habe mir immer vorgestellt, dass Hermine Viktor harmlos küsst, kaum mehr als ein Ausprobieren, und dann feststellt, dass sie viel lieber Ron küssen würde und die Beziehung versanden lässt. Als Kopfmensch könnte der Kuss nach dem Ball stattfinden, denkbar ist aber auch ein Moment nach der zweiten Aufgabe. Das Buch ist aus Harrys Sicht beschrieben, obwohl das Trio fast die gesamte Freizeit zusammen verbringt und Hermine sehr ehrlich ist, ist es denkbar, dass sie längere Zeit ohne Harry und Ron verbringt und dies nicht weiter auffällt.  Harry, der im 4. Buch noch keinen Blick für Verliebtheit hat, könnte annehmen, sie lese Bücher. Das braucht ziemlich viel Zeit. Nicht zuletzt schätzt Viktor als Weltstar vermutlich ihre Diskretion und kann sie leicht dazu überreden, ihre Treffen geheim zu halten.

Gegen einen Kuss spricht die Tatsache, dass Hermines Beziehung zu Viktor kaum beschrieben wird. Es könnte daran liegen, dass Viktor Rons Konkurrent sein sollte und J. K Rowling möglicherweise später aber darauf verzichtete, Viktor jedoch nicht ganz streichen wollte. Viele Fans im genannten Forum meinen zwar, sie sei eine sehr gute Autorin und hätte sowas vermieden, aber darauf würde ich mich nicht verlassen, da wie erwähnt körperlichen Aspekte der Liebe nicht das Hauptthema der Bücher sind. Der Verzicht ist für die Geschichte vernachlässigbar, möglich ist auch, dass sie unter Druck war und deswegen diesen Teil vergessen hat. Niemand ist perfekt.

Es wäre auch möglich, dass Hermine sich verstandesmässig für Jungs interessiert, jedoch vor dem 7. Band keine Lust auf Erfahrungen verspürt. Als Kopfmensch könnte sie Spätzünder sein. Das ist nicht ungewöhnlich.

Das interessante Detail ist die Annahme, Hermine hätte nichtweisse Vorfahren. Ich bin keine Anhängerin dieser Theorie. Ich sehe Hogwarts als eine englische Durchschnittsschule mit einigen nichtweissen Schülerinnen und Schülern und wenn Hermine eine davon wäre, würde J. K. Rowling sie meiner Ansicht nach klar als solche kennzeichnen. Die braunen buschigen Haare und ihre tiefe Bräune nach ihren Ferien in Südfrankreich vor dem trimagischen Turnier sind für mich keine ausreichenden Indizien für ethnische Unterschiede. Zudem müsste man Harrys Herkunft überdenken, ich kenne einen Armenier, der schwarze wilde Haare und grüne Augen hat. Dass Harry  höchstwahrscheinlich fast nur englische Vorfahren hat, erfahren wir nicht vor dem 5. Band oder sogar später, wenn die drei Brüder auftauchen.

Wenn wir  trotzdem annehmen, dass Hermine wenigstens sizilianische Vorfahren hat (pakistanische verkomplizieren die Annahme), besteht eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie sexuelle Erfahrungen für eine feste Beziehung aufspart. Unter dieser Annahme ist klar, dass Viktor dafür nicht in Frage kommt, da eine Fernbeziehung zu kompliziert und instabil wäre.

In einem Kinderbuch über Freundschaft in einer vermutlich überwiegend weissen Durchschnittschule ist es vernünftig anzunehmen, dass Hermine weitgehend dem Durchschnitt entspricht, somit weiss ist und mit fast 15 das erste Mal einen Jungen küsst. Ihre Ethnie hätte man natürlich ab dem ersten Film anders darstellen können, ich denke, das hätte jeder Fan akzeptiert. Ich nehme aber an, dass sich J. K. Rowling nicht dafür eingesetzt hat, dagegen spricht auch, dass Hermine ihr alter Ego ist.

Die zweite interessante Frage ist, wie genau ein Horkrux gemacht wird. J. K. Rowling will nicht ins Detail gehen, wir wissen aber, dass ein Aspekt aus der Harry-Potter-Welt so widerlich ist, dass Rowlings Lektorin Brechreiz verspürt, wenn sie den genauen Vorgang erklärt bekommt. Gemäss einigen Gegenstimmen ist allerdings nicht klar, ob sich der unaussprechliche Vorgang auf die Herstellung eines Horkrux‘ bezieht oder auf die Belebung von Voldemorts Ersatzkörper. In Band 4 ist Voldemort nicht grösser als ein Kleinkind und ich weiss tatsächlich nicht, wie er seine verstümmelte Seele in einen Fetus bringt. Das ist wirklich widerlich.

Aber muss die Herstellung des Horkrux‘ widerlich sein? Notwendig dazu ist laut Slughorn die schlechte Tat schlechthin, der Mord einer unschuldigen Person. Dabei wird die Seele des Körpers entzwei gerissen und ein Teil (die Hälfte? Oder ein Splitter?) in einen Gegenstand eingesperrt, so dass man nicht sterben kann. Oder jedenfalls ähnlich wie ein Geist ans Diesseits gebunden bleibt.

Manche Fans spekulieren, für einen Horkrux sei Kannibalismus oder Nekromanie, Zauber mit dem toten Körper, notwendig. Sie argumentieren, Voldemort schöpfe Kraft aus dem Verstorbenen, was mit ein Grund ist, warum einige Völker Tote essen. Oder es zumindest früher taten. Meiner Ansicht nach ist das jedoch nicht notwendig, um einen Teil seiner Seele in einen Gegenstand oder ein Lebewesen zu bannen.

Ebenfalls diskutiert werden Selbstverstümmelung, körperlich wie auch spirituell: Opferung der Nase oder eines menschlichen Bedürfnisses wie Essen oder Atmen. Sieben rituelle Opfer wären gängig und Voldemort wollte sieben Horkruxe schaffen. Körperliche Opfer sind möglich, meiner Ansicht nach aber eher banal, dagegen spricht, dass die Riddle-Familie völlig unversehrt gefunden wird. Es scheint mir unsinnig, einen Körper, ob den eigenen oder einen fremden, zu verstümmeln und daraufhin so zu verzaubern, dass nichts davon zu sehen ist. Sofern das überhaupt möglich ist, Fluchnarben sind nicht heilbar. Spirituelle Opfer sind interessanter, ich glaube jedoch nicht, dass J. K. Rowling darauf hinaus wollte, da dies einen religiösen Beigeschmack hat und Religion nicht Thema der  Geschichte ist. Andererseits kann man es auch nicht ausschliessen. Sexualmagie wäre ebenso denkbar, aber ich bezweifle, dass Voldemort genügend Interesse dafür aufbringt, dass… verwertbare Energie entsteht. Ein Orgasmus dürfte ihn nicht mehr befriedigen als ein nahrhaftes Essen nach einem anstrengenden Tag und das auch nur als Stillen eines Überlebensinstinkts. Liebe verspürt er nachweislich nicht.

Das einzige Opfer, das ich mir vorstellen kann, ist ein (junges) Einhorn. Quirrel meuchelt eines in Band 1 und verflucht so sein Restleben. Rowling stellt dabei klar, dass dies ein grosses Verbrechen ist, womöglich ähnlich schlimm wie ein Menschenmord. Unverzeihliche Flüche würden dabei auf den dritten Platz rutschen in der Rangfolge der Verbrechen. Das ist diskutabel, ich würde sie auf den zweiten Platz setzen.

Meiner Ansicht nach reicht es für den Horkrux, jemanden zu ermorden und die zerrissene Seele mit diversen komplizierten Flüchen in einen Gegenstand zu bannen. Da die Seele eigentlich ganz bleiben oder heilen möchte, sind körperliche Reaktionen wie würgen, erbrechen oder eine Art Implosion vorstellbar. Auch eine ähnliche Reaktion wie beim nicht näher beschriebenen Dementorenkuss wäre möglich. Auf jeden Fall angedeutet werden dauerhafte körperliche Veränderungen wie eine eingeschmolzene Nase oder scharlachrote Augen.

Unter der Annahme, das grausige Ritual sei für die Herstellung eines Ersatzkörpers notwendig, nicht jedoch für einen Horkrux, ist diese Frage für mich ausreichend beantwortet.

Noch offen ist die Frage, warum Voldemort nach Albanien flüchtet. Es gibt dazu von den SuperCarlinBrothers auf Youtube ein Video, das nachvollziehbar erklärt, warum Südengland passender wäre, unter anderem deshalb, weil England von den Kelten Albion genannt wurde. Das heisst schlicht Land, gemäss Wikipedia wurde Albion später mit der Farbe weiss in Verbindung gebracht. Das lebt weiter in Albino oder auch Albus und Albanien. Ich vermute, irgendwo wurde aus Albion Albanien und das Balkanland steht stellvertretend für eine weit abgelegene Gegend. Für Harry Potter ist das nicht weiter bedeutend, wenn sich auch die Frage stellt, warum die Erbin Helena mit ihrem Geliebten von Schottland nach Albanien reist, wenn Südengland höchstwahrscheinlich abgelegen genug ist im Mittelalter. Transsilvanien fände ich naheliegender als Albanien, wenn jemand unbedingt nach Osteuropa flüchten will. Mal sehen, ob ich irgendwann etwas zum Thema finde.

Advertisements

Ich lege Karten

Vor 6 oder 7 Jahren habe ich mir Zigeunerkarten gekauft. Es gab mehrere zur Auswahl, aber das grosse Set mit 72 Karten schien mir zu umfangreich und der andere Name, irgendwas mit L, gefiel mir nicht. Die 36 Zigeunerkarten gefielen mir, obwohl ich mit dem Namen nicht viel anfangen konnte. Die heissen doch inzwischen Roma? Oder Sinti? Beides taugt allerdings nicht als Kartenname, finde ich.

Gelegentlich will ich ja solchen Dingen abschwören, aber ich bin halt nicht komplett wissenschaftlich und nüchtern. Dabei ist es nicht mal so, dass ich glaube, das Schicksal würde in die Karten fahren und sich mir zeigen. Ich mische die Karten gut, aber wie sie zu liegen kommen, scheint mein alleiniger Verdienst zu sein. Ich habe keine starke Eingebung, die mir bedeutet, wann ich mit dem Mischen aufhören soll, würde ich fürs Jassen mischen, würden die Mitspieler wohl sagen, jetzt sei es aber gut.

Ich lege genau 2 Dinge, genau nach Buch und ebenso verfahre ich anschliessend mit der Deutung. Beschäftigt mich eine Frage mehrere Tage, lege ich 6 Karten, wobei die Mittlere für mich steht, eine für die Vergangenheit, eine für mein Unbewusstes, eine für die Gegenwart, für die Zukunft und eine 6. als Zeitindikator. Ende Jahr, also heute, deute ich die grosse Legung mit allen 36 Karten. Dazwischen vergehen Monate, in welchen ich kaum auf das rote Buch schiele und auch nicht das Bedürfnis verspüre, etwas zu erfahren.

Ob die Karten richtig liegen? Schwer zu sagen, ich habe einmal eine Trefferquote von 8% errechnet, was miserabel wäre. Ein Grund, damit aufzuhören. Aber das tue ich offensichtlich nicht.

Ich glaube, das Interessante ist nicht, wie die Legung zustande kommt, sondern, was ich daraus herauslese. Darin liegt der Gewinn für mich. Anfangs ging es nur darum, die verschiedenen Karten zu sehen und abzuwarten, was mein Unterbewusstsein dazu sagen würde. Ich denke, die Karten dienen genau dazu: Mir bewusst zu machen, was ich gerade glaube, was meine Wünsche sind und was die weiteren Schritte sein könnten. Inzwischen stelle ich aber fest, dass trotz kräftigem Mischen immer die selben Karten auftauchen und sie nur langsam von der Zukunft in die Gegenwart und dann in die Vergangenheit rutschen. Mindestens 3 Jahre geisterte der Tod herum, der mich mahnte, loszulassen. Ungeduldig fragte ich mich, was damit gemeint sein könnte. Seit 2 oder 3 Jahren habe ich einen Offizier, einen Geliebten oder einen Witwer, manchmal alle zusammen. Für dieses Jahr tauchte am Rand der Liebe und des Berufs die Karte Eifersucht auf. Ich denke, das ist durchaus wörtlich zu nehmen und Mobbing und Eifersucht sind Themen, die im Abstand einiger Wochen in meinem Leben auftauchen.

Ich verstehe die Karten nicht als explizite Warnung, mehr als ein Hinweis auf Dinge, über die ich mir Gedanken machen soll, um frühzeitig eine Lösung zu finden. Die vielen männlichen Karten der aktuellen grossen Legung deute ich so, dass ich mich wieder auf meine Sachlichkeit konzentrieren soll und weniger die Intuition. Konkret ist es Zeit, die nächsten beruflichen Schritte zu planen, eventuell körperliche Kraft zu entwickeln und achtsam zu sein, in meinem Körper. Ebenso konkret brauche ich mehr Männer in meinem Umkreis, mit einem Frauenbüro und einem frauenlastigen Chor kommen meine männlichen Energien zu kurz. Letzte Woche hatte ich allerdings einen kleine Ausgleich: Ausgang mit 3 Männern, tanzen, Tischfussball spielen und Bier trinken. Es hätte auch ohne Fussball und Bier geklappt, aber diese eher männlichen Interessen haben sicher nicht geschadet bei der Wiederherstellung meines Gleichgewichts.

Vor einigen Tagen habe ich mir Jahresziele gesetzt und es tut gut, mir diese nochmals mit Karten bewusst zu machen. Schliesslich lese ich daraus auch nur Dinge, die ich schon mal gesehen habe.

 

 

 

Follow Up IV

Yay, es tut sich was mit meinem Wissen.

  • Im Letzten Post habe ich ja geschrieben, ich hätte Bauchschmerzen seit Anfang November. Ich hatte einen ziemlich üblen Darminfekt erwischt, der seine vollen 2 Wochen beanspruchte, bis ich wieder einigermassen auf den Beinen war. Allerdings hatte ich seither an einer ganz bestimmten Stelle Bauchschmerzen. Es kam und ging und ich hatte keine Ahnung, was es sein könnte. Dr. Google schlug alles Mögliche vor, auf jeden Fall müsse eineweitere ärztliche Untersuchung her. Die brachte erst mal nicht besonders viel, ausser der Bestätigung, dass da noch was entzündet war. Vorerst wurde ich mit der Bitte um eine Stuhlprobe und dem Versprechen, rasch an einen Gastroentrologen verwiesen zu werden, entlassen. Meine Ärztin guckte mich fast missbilligend an, als ich sagte, ich würde wieder arbeiten, aber sollte ich etwa zu Hause bleiben? Ich fühlte mich auch während des Infekts nicht krank, tatsächlich hatte ich kaum Fieber. Vielleicht ein Warnzeichen, Fieber hätte diese fiesen Bakterien vermutlich gekillt. Ich war immer absolut klar im Kopf und brauchte keine Schmerztabletten. Ich bin da sehr vorsichtig, manchmal reicht es, sich hinzulegen und einzuschlafen. Allerdings nahm ich Bioflorin, was den Durchfall sehr schnell stoppte. Hauptsächlich sind das gute Bakterien, die den Darm aufbauen helfen.

    Nach 2 Wochen hatte ich also keinen Durchfall mehr, dafür leichte Verstopfung, wiederkehrende punktuelle Bauchschmerzen und wenig Hunger. Mein Darm benahm sich einfach nicht so, wie ich es mir gewohnt war, ich hatte dazu kaum Appetit. Mit der Zeit konnte ich länger laufen und für kurze Strecken eine Tasche tragen, aber immer nach kurzer Zeit machte sich die Stelle im Bauch bemerkbar.

    Dann kam endlich der Termin beim Arzt… Er erklärte, eine Darmschlaufe sei noch gereizt und verursache die punktuellen Schmerzen. Meistens beruhige sich das von selbst, das könne aber durchaus einige Wochen oder gar Monate dauern. lberogast wirke aber gut. Gutes Zureden und Schonkost sowie Hausmittel wie Apfelsaft oder Feigen helfen natürlich auch, in leichten Fällen nehme ich immer Apfelsaft oder eine Banane und etwas schwarze Schokolade. Ich will damit keine Werbung machen, es sind einfach sehr gängige Produkte, die man ohne Verschreibung bekommt und mir haben sie geholfen. Mein Bauch ist nochmals besser geworden. Was mich freut, denn würde das Problem weiter bestehen, müsste ich irgendwann von einem Reizdarm sprechen. Ha, nicht mit mir, bis jetzt hat er zuverlässig funktioniert und ich bin zuversichtlich, dass er bald wieder im Takt ist.

  • Der Besuch hat mich natürlich nervös gemacht und am Abend vorher konnte ich kaum einschlafen. Dazu spukte mir etwas anderes noch im Kopf herum. Als ich endlich eingeschlafen war, erwachte ich verstört aus einem üblen Albtraum. Mir schien, ich müsste das ganze Einschlafprozedere nochmals von Vorne anfangen, aber ich schlief recht schnell wieder ein. Nur, um einen noch schlimmeren Albtraum zu haben. Normalerweise wache ich da mit Herzklopfen auf und beruhige mich wieder, aber diesmal fühlte ich mich allein.

    Gemäss  meiner Theorie, an meiner Einsamkeit könnte erdbebenbedingter Infraschall schuld sein, prüfte ich am nächsten Morgen, ob es in der Nähe ein Erdbeben gegeben hatte. Das war nicht der Fall und somit steht meine Theorie wieder auf wackeligen Füssen. Es könnte auch einen hormonellen Zusammenhang haben. Es bleibt jedenfalls spannend.

  • Es gibt ein Phänomen, das unter mindestens 3 verschiedenen Namen beschrieben wird und immer ein Schattendasein führt. Es wird offenbar im ersten Pyschologiesemester kurz angesprochen, taucht als Randnotiz im DSM auf oder als Warnung, wie Qi Gong (wird explizit in diesem Zusammenhang erwähnt, wobei es nicht speziell mit dieser Meditationsform verbunden ist) nicht ausgeübt werden soll.
    Es geht um das periphere Sehen, also der Bereich am Rand des Blickfeldes. Der Mensch sieht dort kaum mehr eine Bewegung und dreht den Kopf, um festzustellen, ob da ein anderer Mensch vorbeiläuft oder ein Tiger. Sich zu vergewissern, dass keine Gefahr droht, ist ein Reflex, den einige Menschen allerdings unterdrücken können. Dies scheint dazu zu führen, dass das Unterbewusstsein nicht beruhigt wird und ständig von hinten einen Angriff erwartet. Da dies aber nicht bewusst wird, drückt sich die Angst in Paranoia und ähnlichen Symptomen aus und kann, dauert die Unsicherheit an, zu einem Zusammenbruch führen. Was den Menschen dazubringt, den Reflex zu unterdrücken? Zum Beispiel ein PC im Grossraumbüro. Der Mensch konzentriert sich auf die Arbeit und versucht, alles rundherum auszublenden. Das funktioniert aber nicht immer gleich gut. Deswegen hat ein Amerikaner die sogenannten Cubicles erfunden, diese Arbeitszellen, die in jedem Film zu sehen sind. In diesem Zusammenhang taucht der Begriff Subliminal Destraction Exposure auf. Ich habe eine einzige Quelle im Internet dazu gefunden, das Interesse daran scheint nicht gross zu sein. Die Quelle ist über 15 Jahre alt und die Diskussion darum längst gestorben. Man kann sich durchaus die Frage stellen, wie relevant das ist. Ich würde es aber natürlich nicht erwähnen, wenn ich es nicht spannend fände.

    Im DSM (Handbuch für psychishe Krankheiten) spricht man (sinngemäss) von einer kulturabhängigen Psychose, es scheint, als wolle sich niemand damit die Finger verbrennen und am Ende eine kulturelle Praktik als psychotisch darstellen. Man will ja kein Rassist sein. Dabei würde es hier richtig spannend. Leider wird das Leiden mit 2 kurzen, wenig aussagenden Sätzen abgespeist. Bräuche, die wir nicht kennen, können zu psychischen Zusammenbrüchen oder auch (Massen)Hysterie führen. That’s it.

    Kommen wir also zum Qi Gong, einer dieser kulturellen Praktiken, wobei ich ursprünglich einfach nur negative Nebenwirkungen einer Meditation recherchieren wollte. Ich wusste bereits, dass Meditation bei aktuen psychischen Problemen gefährlich sein kann, mehr wird aber meistens nicht erklärt.  Dabei bin ich sooo neugierig… Es geht eigentlich einfach darum, das Grübeln nicht noch zu verstärken. Die Tipps, wie Qi Gong auszuführen sei, scheinen den Übenden vor Überforderung schützen zu wollen. Das Unterbewusstsein könnte verwirrt werden, wenn der Übende sich auf einen Punkt vor sich konzentriert und gleichzeitig am peripheren Rand Bewegungen wahrnimmt und nicht überprüfen kann, dass keine Gefahr droht (man will sich ja konzentrieren). Es ist auch die Rede davon, dass es nicht zu stark winden soll, möglicherweise soll damit Infraschall vermieden werden, der ein unterschwellliges Gefühl von Angst vermitteln kann. Letzteres ist meine Interpretation. Andere Anweisungen sind sehr leicht nachvollziehbar, etwa nicht an der prallen Sonne oder mitten im Durchzug zu üben.

    Ebenfalls problematisch kann das Üben mit vielen anderen Meditierenden werden. Der Guru spricht, man hängt an seinen Lippen. Der Hintermann kratzt sich, jemand weint leise und der Dritte verlässt eben den Raum und vergisst, die Tür leise zu schliessen… Kommt alles zusammen, kann eine sensible Person einen Zusammenbruch erleiden. Darauf wollte ich ursprünglich bei meiner Recherche hinaus, denn ich stelle immer wieder fest, dass Bekannte, die anfangen zu meditieren oder sich für eine andere, teilweise unkonventionelle Sache interessieren, recht schnell völlig davon vereinnahmt sind und merkwürdige Theorien diskutieren wollen. Sie sind durchaus beieinander und sehr gut in der Lage, sich klar auszudrücken, so dass ich sie noch nie zum Arzt schicken wollte. Allerdings scheinen viele einen leichten Nervenzusammenbruch mit einer Erweckung zu verwechseln. Wer etwa nach einem Jobverlust plötzlich sehr viel meditiert und sich in ein Schweigeretreat zurückzieht, nimmt das Problem mit, es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich gewaltsam Gehör verschafft und einen ausser Gefecht setzt. Gewissenhafte Mönche und Nonnen teilen Betroffene einer Arbeitsgruppe ausserhalb des Übungsraumes zu. Die körperliche Bewegung und, so wird gewissermassen geraunt, gelegentlich etwas Fleisch (grimmige Befriedigung glimmt in mir auf), scheinen die Betroffenen innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen wieder zu beruhigen. Soweit ich mich erinnere, habe ich davon in Büchern von unter anderem Tim Krause und Andy Puddicombe gelesen. Sie sind manchmal hart an die Grenze gegangen, haben jedoch daraus gelernt. Auch Stephen Batchelor (Confessions Of a Buddhist Atheist) bringt einige interessante Gedanken im ersten Teil seines Buches.

    Warum ich immer wieder auf denselben Themen herumhacke? Weil ich bei aller ausschweifender Kritik Meditation für eine extrem gute Sache halte und bei verantwortungsvollem Üben das Gehirn zu seinem Vorteil verändert wird. Weil ich wissen will und weil ich hoffe, dass verständlich geschriebene Informationen anderen helfen, manche Fehler nicht zu begehen. Und nicht zuletzt möchte ich Lücken sichtbar machen. Bestimmt gibt es andere, die sich die selben Fragen stellen und auf Wände stossen.

  • Schliessen wir das Thema Meditation doch noch positiv ab: Ich dachte anfangs, mein Jahr 2017 sei erreignislos und wenig erfolgreich verlaufen. Ich schaffe es aber, häufig in den Pausen bewusst um den Block zu laufen, nehme mir bei der Arbeit häufiger Zeit, zwischen vielen Anrufen in aller Ruhe ein Glas Wasser zu trinken und meditiere immer wieder vor dem Einschlafen. Nach dem Stressseminar, welches ich ebenfalls im letzten Post (Lachen ist die beste Medizin) erwähnt habe, habe ich  angefangen, auf dem WC eine ruhige Minute zu verbringen. Ich bleibe in der Kabine, lehne mich an die Wand und zähle 30 Mal ein- und ausatmen. Zum Ausgleich gibts weiterhin (zuwenig) Sport. Spaziergänge, Schwimmen, Tanzen, Yoga, da gibts im Moment nichts Neues, zumal ich seit bald 2 Monaten meinen Darm kuriere und somit viel Zeit im Bett verbracht habe. Aber immer mit einem guten Buch 🙂 Ich habe dein Eindruck, den stressigen Herbst besser als auch schon überstanden zu haben. Das Vitamin D hilft aber auch weiterhin. Ich bringe genug Motivation auf, sogar bei scheusslichem Sonntagswetter kurz rauszugehen. Für mich ist das durchaus eine Leistung.
  • Am besten scheine ich zu funktionieren, wenn ich ab 8 offline gehe und allgemein Feierarbend habe. Leider wird mir dabei jeweils irgendwann langweilig, zudem kommt mir der Zyklus dazwischen. Der Eisprung will produktiv genutzt werden… Und schon bin ich wieder übermüdet im Büro und trinke zuwenig. Der Kaffe hält mich um 7 abends so wach, dass ich mich vor den Laptop setze und das Blaulicht tut sein Übriges und schon ist es 11 und ich wollte seit einer Stunde unter der Bettdecke sein. Ab ins Bett, das Thema will ich heute nicht weiter ausführen 🙂

Lachen ist die beste Medizin

Ich habe seit Anfang November Bauchschmerzen, bin deswegen schlapp, appetitlos und daher nicht wahnsinnsmotiviert, irgendetwas zu reflektieren. Dennoch…

Am Donnerstag durfte ich nach Basel zu einem Seminar zum Thema Stressreduktion am Arbeitsplatz. Ich stand ziemlich früh auf und hoffte, unterwegs ein Gipfeli kaufen zu können. Das Seminar wurde von meiner Firma organisiert und ich wusste, dass sie immer vorher Gipfeli, Früchte und ein kleines Müesli anbieten, aber diesmal stand nichts vom üblichen Begrüssungskaffee und so war ich unsicher, ob ich kulinarisch  zum Zug kommen würde.

Meine Kollegin und ich fanden den Ort nicht sofort und liefen etwas herum. Normalerweise ist das kein Problem, ausserdem war das Wetter gut, aber diesmal ermüdete ich rasch und als wir am Ort ankamen, war ich bereits müde. Es gab vorerst nur Gipfeli und Kaffee oder Tee, erstere waren allerdings schön buttrig, frisch und knusprig.

Im Vergleich zu manchen Teilnehmern ist mein Arbeitsalltag sehr entspannt. Leider kamen wir nicht dazu, viele mögliche Übungen zu diskutieren, aber einige Dinge habe ich mir trotzdem gemerkt:

  • eine Minute zur Entspannung lässt sich immer finden. Ich werde dazu künftig bei Bedarf aufs WC gehen und powerrelaxen: Alle Muskeln nacheinander kurz anspannen und wieder entspannen
  • So lange man nur „jammert“ wird kein Chef an der Situation etwas ändern, denn es funktioniert ja. Wer etwas ändern will, muss das einfordern und am besten einige Lösungsideen mitbringen. Die Leiterin hat auch gesagt, Führungskräfte hätten eine Verantwortung gegenüber ihren Angestellten und es sei ihre Pflicht, für ihr Wohlergehen zu sorgen. Als Sofortmassnahme in brenzligen Situationen empfiehlt sie, mit dem Angestellten kurz rauszugehen und zu laufen. Meine Cheffin schickt uns nach Hause, wenn wir fiebrig sind oder uns offensichtlich nicht konzentrieren können. Wir sind deswegen aber nicht häufiger krank als andere Büros.
  • Der Körper braucht sieben bis neun Stunden Schlaf, um sich auszuruhen, nur wenige Ausnahmepersonen kommen mit weniger aus. Der eine Teilnehmer erzählte, seine Tage seien regelmässig 18 Stunden lang (wobei er den letzten Auftrag trotzdem nicht gewinnen konnte). Ich fragte ihn, ob er während den Ferien auch so wenig schlafe, was er verneinte. Dann scheint er durchaus sieben statt 4 Stunden zu schlafen. Ich finde es wahnsinnig, solche Situationen als normal zu betrachten.
  • Lachen entspannt und eine Minute lachen ist soviel Wert wie 10 Minuten am Rudergerät. Scheints. Da ich schnell lache (überhaupt hatte ich den Eindruck, die Frauen, am Seminar leicht in der minderzahl, würden die Situation eher mit Lachen entspannen als die Männer. Muss nicht immer so sein) habe ich mir vorgenommen, das auszubauen. Katzenvideos sind eine Möglichkeit, aber ich bin sicher, es gibt noch mehr 🙂

Freitag war schnell vorbei, ich freute mich den ganzen Tag auf Özcan Cosar, Stand-Up-Comedian aus Deutschland. Anfangs war ich wegen der Bauchschmerzen verspannt und das Lachen tat weh. Irgendwann vergass ich aber die Schmerzen und ging mit breitem Lachen in die Pause. Auf dem WC bemerkte ich, dass das ganze Make-Up verschmiert war vor Lachen. Huch, schnell weg damit!

Ich verliess das Lokal wunderbar entspannt mit 1200 Ruderminuten. Heute Sonntag bin ich immer noch entspannt, ausserdem habe ich endlich wieder 2 Nächte gut geschlafen.

Eine lustige Feriengeschichte: Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal mit meinen Eltern gereist. In Dubrovnik haben wir den Stadtbus genommen und sind ins Nachbardorf. Wir gingen im Zentrum shoppen (ich fand ein hübsches T-Shirt, mein Vater deckte sich mit kroatischer Qualitätsunterwäsche ein) und assen danach unser Picknick am Meeresarm. Anschliessend machten wir uns auf zu einem  Verdauungsspaziergang.

Der Weg war schön, aber so langsam musste ich aufs WC. Leider gab es wenig Gebüsch, und ich bin ziemlich heikel, was Natur-WCs betrifft. Aber schliesslich fand ich am Meeresarm ein vielversprechendes kleines Gebüsch. Vorsichtig trat ich näher, es schien sich vorallem um Gestrüpp zu handeln und etwas Abfall… Ich setzte den linken Fuss auf, der das Gestrüpp durchbrach und irgendwie lag ich nun plötzlich auf der Strasse, das linke Bein tief in Ranken gefangen. Wobei ich nur mit der rechten Körperhälfte auf der Strasse lag, die linke schwebte über dem Abgrund. Meine Mutter fragte, ob alles in Ordnung sei. Nein, sagte ich, ich brauche Hilfe. Meine Mutter trat näher und bekam einen Lachanfall. Ich musste nun auch lachen und es ging eine Weile, bis meine Mutter sich beruhigte und mich auf den festen Grund zurückzog. Mit einem kräftigen Ruck befreite ich dann mein linkes Bein, das allerdings völlig zerkratzt war. Mit etwas Wasser und Nasstücher säuberte ich mein Bein. Für den Rest der Ferien zog ich lange Hosen an, rasieren konnte ich bei dem Zustand vergessen. Die Streifen sind aber inzwischen verblasst. Nur meine Blase musste noch 2 Stunden ausharren.

Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran zurückdenke und habe mir vorgenommen, diese Geschichte mit NLP zu ankern. Einen Versuch ist es Wert.

 

Der Pakt mit dem Teufel

(Trigger: sexueller Missbrauch)

Die Idee des Pakts mit dem Teufel ist alt. Goethe hat sie aufgenommen, aber der Gedanke ist wohl älter als die Bibel. Vor einiger Zeit habe ich den folgenden Link gefunden, der Weggabelungen aus psychologischer und mythologischer Sicht betrachtet: https://thoughtcatalog.com/nick-averbuj/2014/11/are-you-at-a-crossroads-in-your-life-it-means-more-than-you-realize/ Diese Ansicht fand ich sehr spannend, die Sache mit dem Teufel liess mich allerdings nicht los. Da ich Goethe nur auszugsweise gelesen habe, wende ich mich einer naheliegenderen Legende zu: Robert Johnson.

Robert Johnson wurde 1911 geboren. Er hatte eine eher schwierige Kindheit, lernte früh Mundharmonika spielen und als Teenager Gitarre. Viel mehr weiss man nicht über ihn, ausser, dass er als Jugendlicher ein schlechter Gitarrist war. Dennoch wollte er in seiner Stammbar ständig auftreten. Eines Tages verschwand er, und als er zurückkam, hatter er sich zu einem genialen Gitarristen entwickelt. Rasch entstand das Gerücht, er habe mit dem Teufel einen Pakt abgeschlossen.  Er widersprach nicht. Robert Johnson starb früh: Er wurde gerade mal 27 Jahre alt.

Spätere Musiker haben das Gerücht gerne aufgenommen, gerade in sehr christlichen Gegenden ist es sehr einfach, mit dem Teufel zu schocken. Die Geschichten wurden immer wilder, der Kern bleibt aber gleich: Der Musiker will unbedingt Erfolg, schliesslich erkärt ihm (seltener ihr)  jemand, er müsse um Mitternacht an die Wegkreuzung am Rande der Stadt, wo der Teufel ihm dann das Talent geben werde. Der Musiker bezahlt mit seiner Seele. Talent und Erfolg kommen, die Seele ist verloren.

Die Sache mit dem Talent ist leicht zu erklären. Nach dem gewissen Treffen übt der Musiker bis zur Besessenheit. In Johnsons Fall ist anzunehmen, dass er falsch übte und sein Stil seiner Zeit voraus war. Wir könnten weiterhin annehmen, dass das Publikum in seiner Bar eher konservativ war und nicht bereit, sein Talent zu entdecken. In der Zeit, in der Johnson erwachsen wird, kann er mit Hilfe eines guten Lehrers sein Talent entwickelt haben. Man vergleicht ihn mit der Nervensäge, die schlecht spielte und redet seine Teenagerzeit noch ein wenig schlechter, als sie es war. Der Graben zwischen dem jungen und dem entwickelten Johnson erscheint so um so grösser.

Kommen wir zum vermeintlichen Höhepunkt: dem Treffen mit dem Teufel. Johnson wird sich überlegt haben, was er aus seinem Leben machen will. Sich dafür zurückzuziehen, vielleicht sogar nächtelang darüber nachzudenken, ist üblich und ich kann mir auch vorstellen, dass das draussen, am Rand der Stadt, besser funktioniert. Niemand beschwert sich über das brennende Licht, man ist sicher allein mit seinen Gedanken. Ich persönlich glaube nicht, dass man dem Teufel begegnen kann, deswegen kann ich auch nicht erklären, wie genau man ihn trifft. Vermutlich würde ich es auch nicht öffentlich schreiben, wenn ich dächte, ich wüsste es. Wie dem auch sei, eigentlich ist nicht wichtig, mit wem genau unser Musiker ein Pakt eingeht. Ich würde es mit mir selbst eingehen. Wichtig scheint mir: Die Karriere geht nicht vorwärts, man muss sich entscheiden, wie es weitergeht, und man macht es allein, möglicherweise tatsächlich in der Nacht, als Nachteule am Stadtrand.

Ich glaube nicht, dass jeder so einen Pakt eingehen kann und vorallem will. Viele Künstler und Politiker haben einen oder mehrere der folgenden Charakterzüge stärker ausgeprägt als der Durchschnitt: Narzissmus, Neigung zur Manipulation anderer Menschen und Psychopathologie. Wer recherchieren will: Dunkle Triade oder Dunkler Dreiklang. Keiner der Charakterzüge muss sich negativ äussern, sie alle sind Teil der Persönlichkeit. Ich vermute aber, sie sind ein starker Antrieb, seine Seele für den Erfolg, Macht oder Geld zu verkaufen. Und in diesem Post geht es um diejenigen, die diese Charakterzüge haben.

Die Seele verkaufen oder zumindest zu einem winzigen Knäuel zusammenquetschen und in die hintersten Windungen des Herzens verbergen. Manche haben wohl Talent und Ausstrahlung, so dass der Erfolg von allein kommt. Andere jedoch müssen dafür jede Sekunde üben und vernachlässigen darüber ihre Familie und Freunde.

Die nächsten bezahlen mit Sex. Um es gleich zu sagen: Fast immer handelt es sich um sexuellen Missbrauch, was absolut verwerflich ist. Keine Frage. Es gibt jedoch eine dunkelgraue Zone: Welcher vielversprechende Künstler fühlte sich nicht geehrt, an eine Champagnerparty eingeladen zu werden? Die Gesprächspartner, die subtil zum Sex drängen, sind vielleicht ein kleines Bisschen zu alt, aber doch jung genug, noch attraktiv zu sein. Die sexuelle Erfahrung und das Umwerben machen den Altersunterschied wieder wett. Und behalten wir die dunkle Triade im Auge, manche gehen gerade beim Sex gerne grosse Risiken ein. Aber egal wie freiwillig jemand seine Jungfräulichkeit (auch im Sinne von liebenswerter Naivität, Neugier und Freude) verkauft, der Tausch in Form von Geld und Erfolg ist ein schlechtes Geschäft. Und selbst wenn es nicht um Erfolg geht, ist der Tausch schlecht. Ich habe betrunken einige Männer geküsst, die ich in nüchternem Zustand nicht angefasst hätte.Die Drinks hatten sie spendiert und es war klar, dass sie sich etwas erhofften. Ich bereue diese Knutschereien nicht, ich weiss aber inzwischen, dass viele solcher Erfahrungen nicht aus Neugier, Sympathie und gegenseitiger Anziehung geschehen, sondern aus einem Machtgefälle heraus. Schöner wäre, wenn wir frei entscheiden könnten, wem wir Liebe oder einen Orgasmus oder beides schenken und wenn die Beschenkten wirklich dankbar dafür wären. Sexualität sollte keine Währung sein.

Wer es nicht schafft, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, steht bald alleine da. Dazu kommen vielleicht Scham und Leere wegen diversen Missbräuchen. Aber viel Zeit bleibt nicht, sich darüber Gedanken zu machen, denn der Erfolg kommt und mit ihm viele Auftritte, vielleicht auch Reden, Wahlkämpfe und Vernissagen. Alkohol und diverse Drogen sind immer verfügbar und werden einem mehr oder weniger subtil aufgedrängt. Wer jetzt noch alte Freunde hat, droht sie aus Überheblichkeit zu verlieren, Koks kann das seine dazu beisteuern. Der Erfolg wird irgendwann abflachen, vor dem zweiten Werk oder dem nächsten Karriereschritt ergibt sich aber meistens die Gelegenheit, seine Seele einigermassen gesundzupflegen.

Unser Musiker könnte an seine alten Freundschaften anknüpfen, seine Eltern besuchen und den Kontakt mit ihnen neu aufbauen. Möglicherweise lässt sich eine beginnende Sucht auch ohne grossen Aufwand in den Griff bekommen und die Seele heilen. Oder zurückbekommen, sofern man an den Teufel glaubt, der die Seele genommen hat. Mir kommt schon wieder Harry Potter in den Sinn, bzw. Voldemort. Er könnte sich selbst retten, wenn er wollte.

Die meisten jedoch machen mit Volldampf weiter. Sie sind anfang 20, attraktiv, haben Erfolg und bekommen viel Geld. Warum aufhören? Ausserdem werden einem Drogen und Sex nachgeworfen und ständig passiert etwas aufregendes. Nur eines merkt man nicht: Wie sehr das alles auslaugt. Das gestreckte Heroin. Die vielen Joints, die einen träge machen und daran hindern, die immer noch guten Ideen umzusetzen. Die Aussetzer wegen des masslosen Alkoholkonsums. Vielleicht sogar der eine oder andere kurze Aufenthalt in einer Gefängniszelle. Mancher Musiker hat längst auch die Grenze zur Gewalt oder zum Dealen überschritten, um den Rausch finanzieren zu können. Dazu kommen der Erfolgsdruck und die Einsamkeit, denn eigentlich ist einem klar, dass viele der neuen Freunde einen nur wegen des Geldes oder Ruhmes lieben und ansonsten ignorieren würden.

Dieses Leben kann man nicht lange führen, der Körper rebelliert nach einigen Jahren. Ausserdem hat man trotz allen Stresses die eine oder andere ruhige Minute und sehnt sich nach einer festen Beziehung oder gar einer Familie. Ende 20 ist die Luft oft raus, das war bei vielen meiner Freunde so und auch bei mir. Meine Freunde haben aufgehört, zu viel zu trinken, spielen weniger Gitarre und führen feste Beziehungen. Viele finden mit Ende 20 einen neuen Rhythmus, manche jedoch nicht. Somit lässt sich auch recht gut erklären, warum viele Musiker mit 27 Jahren sterben. Wirtschaftsführer scheinen später im Leben die entscheidende Krise zu haben. Ihre Karriere wird gesellschaftlich besser akzeptiert, ihre Partner haben allerdings irgendwann die Nase voll, so oft im letzten Moment versetzt zu oder gar betrogen zu werden. Manager, die nur noch aus geschäftlichen Gründen Golf spielen, haben gar nichts, was sie auffangen würde, wenn ihre Frauen sie verlassen. Allein, vielleicht mit einem Alkohol- oder Koksproblem, sehen sie keine andere Lösung als den Selbstmord. Allen ist gemeinsam, dass sie den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt nicht schaffen. Ich habe eher aus Männersicht geschrieben, da ich nur von wenigen Frauen weiss, die unter ähnlichen Umständen gestorben sind oder aber es geschafft haben, sich weiterzuentwickeln. Ob Robert Johnson, Janis Joplin oder Amy Winehouse: Ihre Lebensumstände ähneln sich. Frauen und Männer scheinen etwa zur selben Zeit die selben Probleme zu haben.

Wie das Leben so spielt, auch dieser Beitrag hat eine ganze Weile in meinem Kopf herumgespukt. Erst beim Schreiben kam ich auf den Gedanken, Johnsons Lebensdauer zu überprüfen, ich war vom Ergebnis natürlich nicht überrascht. Interessanter ist, dass ich letzte Woche das Interview eines Überlebenden gelesen habe: Terence Trent D’Arby, seit seiner Wiedergeburt Sananda Maitreya genannt: https://www.theguardian.com/music/2017/oct/05/why-terence-trent-darby-became-sananda-maitreya-it-was-that-or-death

Er ist überzeugt, dass er mit 27 gestorben ist und neu angefangen hat. Man mag von seinen Aussagen halten, was man will: Dem Tod zu entkommen oder seine Seele zurückzubekommen ist nicht einfach.