Zora minimiert

Die Tinguely-Maschine des Lebens

Neulich habe ich entdeckt, dass bei mir alles mit Wasser anfängt. Abgesehen davon, dass Wasser meine Sorgen besser mitnimmt als das Blätterrauschen im Wald, steht und fällt alles mit dem Trinken. Zuwenig Wasser macht mich tagsüber extrem müde und hält mich nachts vom Einschlafen ab. Schlechtes Schlafen führt dazu, dass ich am nächsten Tag müde bin, das mit Kaffee oder Tee ausgleiche, nicht spüre, worauf ich Appetit habe, gestresst bin und dann nur noch ins Bett will. Dehydriert und verspannt. In einem ersten Schritt habe ich mir einen kleinen Leitspruch ausgedacht: Drink – Sleep – Eat well. Das ist der Begrüssungstext auf meinem Handy geworden.

Um mir den Zusammenhang besser zu merken, habe ich sogar eine Grafik mit Word gezeichnet und ausgemalt. Bei mir muss das Wasserrad immer wieder angetrieben werden, ich habe da an eine komplexe Tinguely-Maschine gedacht mit Zahnrädern, Riemen, Hebel und Pendel. Jeder Mensch hat eine andere Maschine, bei anderen hängt alles davon ab, dass sie mindestens 5 Minuten pro Tag joggen oder es geht nichts ohne eine Viertelstunde malen.

Ich habe noch andere Dinge, die mich wieder in den Takt bringen: Tagebuchschreiben, singen und Gitarre spielen.

Die Tinguely-Maschine gefällt mir noch in einem anderen Punkt: Wenn man zu viele Dinge aufs Mal ändern will, überfordert das einen. Grosse, schwere Räder sind langsam in Gang zu bringen. Andererseits gibt es manchmal kleine Räder, die überraschenderweise zusammenhängen und nichts spricht dagegen, ihnen allen gleichzeitig einen Schubs zu geben und sich erst danach wieder einem grossen Rad zuzuwenden. Genug Wasser und Schlaf haben mir diese Woche genug Antriebskraft gegeben, um tatsächlich mit Lust schwimmen zu gehen. Und morgen gehe ich wieder. Sonntag ist eine Wanderung angesagt. Ich freu mich schon darauf 🙂 Ich bin gerade sehr motiviert, das Bewegungsrad am Laufen zu halten, auch wenn ich es ursprünglich langsamer angehen wollte.

Ich bin zurück…. mehr oder weniger

Ich habe mal wieder überlegt, ob ich den Blog weiterführen oder sterben lassen soll. Ich habe mich fürs Wiederbeleben entschieden, allerdings voraussichtlich ohne Kommentierfunktion. Weiterlesen

Umweltschutz, Nachhaltigkeit und meine Werte: Wie gross ist die Übereinstimmung?

Vor bald 3 Jahren habe ich mein Naturkosmetikprojekt begonnen und enthusiastisch wollte ich nach und nach weitere Bereiche meines Lebens nachhaltiger gestalten. Ich finde nach wie vor, es landet zu viel Gift in der Natur, ohne die wir nicht leben können, aber viel mehr Argumente gibt es nicht. Was kein Problem sein müsste, wir wissen ja noch nicht alles. Leider bezweifle ich inzwischen, ob es da genug zu wissen gibt.

Noch bevor ich las, hormonwirksame Zusätze in Shampoos und Bodylotions würden im Wasser landen und Tiere sterilisieren, hörte ich von der Aluminiumstudie. Ich greife vor: Rein wissenschaftlich gesehen ist unklar, ob die Aluminiummengen in Deos tatsächlich einen Einfluss auf den menschlichen Körper haben. Anfang der Nullerjahre war das eine Hypothese, an die man glauben konnte oder auch nicht und ich glaubte nicht daran. Eine Freundin verzichtete jedoch ganz auf Deo. Dieselbe Freundin erklärte mir einige Jahre später, es gebe junge und alte Seelen und die europäischen Seelen seien älter und erfahrener. Ich weiss nicht, wie die „Theorie“ genau entstand, aber es läuft darauf hinaus, dass afrikanische Mädchen selber schuld sind, wenn sie nicht zur Schule können. Weitere Konsequenzen dieser Argumentation überlasse ich euer Fantasie. Die Sache mit dem Deo finde ich nicht schlimm und heute verzichte ich auch auf Aluminium und einige andere Zutaten. Das mit den alten und jungen Seelen fand ich bedenklicher, ich kam aber nicht auf die Idee,  ihr Interesse an Biolebensmitteln könnte irgendwie damit zusammenhängen. Biologischer Anbau ist schliesslich ein linkes, grünes Anliegen. Oder etwa nicht?

Fast die gesamte Theorie der biologischen Landwirtschaft lässt sich auf Rudolph Steiner und sein biologisch-dynamisches Konzept zurückführen. Im Kern seines Lebenswerks steht das Konzept einer feinstofflichen Welt, in der alle Lebewesen miteinander verbunden sind. Eng mit seinen Theorien verknüpft ist seine Vorstellung, hellhäutige Menschen seien weiter entwickelt als dunklere. Ich weiss nicht, ob die oben erwähnte Idee von alten und neuen Seelen direkt auf ihn zurückzuführen sind, aber ein besonders grosser Gedankensprung ist das nicht. Um 1900 war die eine oder andere Idee von ihm und anderen (etwa Blavatski oder Hahnemann, der Gründer der Homöopathie) vielleicht sogar fortschrittlich. Das kleine Problem ist, dass nichts davon heute wissenschaftlich zu belegen ist. Das grosse Problem ist, wie die Geschichte weiter ging.

Ich weiss nicht warum, aber diese feinstofflichen Theorien fanden Anklang bei Menschen, die später den zweiten Weltkrieg führten und einige Millionen Menschen bestialisch umbrachten. Die nationalsozialistische Geschichte ist fest mit esoterischen Inhalten verknüpft, die sich zur Rassenlehre verdichteten. Unter Hitler entstanden scharfe Tierschutzgesetze, wobei er ziemlich willkürlich festlegte, welche Tiere lebenswert sind. Missliebige Insekten gehörten nicht dazu. Im Rassen- und Reinheitswahn wurde auch gleich festgelegt, wer lebenswert ist. Behinderte Menschen gehören nicht dazu.

Der zweite Weltkrieg ging vorbei. Peter Singer forschte zum Thema Tierethik und seine Bücher wurden zur Grundlage des Veganismus. Ich habe mich nicht mit ihm auseinandergesetzt, aber offenbar sind zumindest seine Ansichten darüber, wer oder was lebenswert ist, problematisch. Er diskutiert, ob behinderte Babys getötet werden sollten und im weiteren hat er den (Anti)speziesismus als Begriff eingeführt. Die menschenfeindliche Hetze, die mir im Netz immer wieder begegnet, lässt sich ohne weiteres mit seinen Ansichten begründen, unabhängig davon, ob er die veganen Diskussionen unterstützt oder nicht. Ich werde mich vorläufig nicht näher mit ihm befassen.

All das hatte ich im Sommer 2014 schon irgendwo gelesen oder geahnt. Seit der Aluminiumstudie waren etwa 10 Jahre vergangen. Ich war zwecks Austausch in Sachen Naturkosmetik einer kleinen Facebookgruppe beigetreten, als jemand fragte, wie das nun mit dem Aluminium im Deo sei. Da noch keine gehässige Diskussion im Gang war, schrieb ich, die wissenschaftliche Lage sei unklar, trotzdem hätte ich mich entschieden, auf Aluminium zu verzichten. Nun begann die übliche Litanei, es gebe nun eindeutige Studien, aber man müsse sie halt suchen. Um es kurz zu halten: Niemand hat jemals irgendeine Studie vorgelegt, die die gängigen wissenschaftlichen Annahmen widerlegt. James Randi bietet 1 Million Dollar demjenigen, dem das gelingt. Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass ich als dumm beschimpft wurde, keine Studie empfohlen bekam und die Gruppe verliess. Einzig eine Krankenschwester unterstütze mich. Ein ähnliches Schicksal erlitt eine Verschenkgruppe, deren Administrator schliesslich im Wochentakt zum Veganismus aufrief.

Ich hatte die Nase voll und versuchte von da an, vegane Blogs zu meiden und klickte Minimalismusvideo von Veganern weg. Umsonst. Naturkosmetik führt zu Minimalismus, weiter zur Meditation und letztlich zum Veganismus. War ich in einer Schleife gefangen?

Ich fasse zusammen: Ich bin der Meinung, die Umwelt sei zu schützen, weil wir Teil davon sind und ohne Pflanzen und Tiere schlicht nicht überleben können. Die dafür angebotenen Lösungswege sind jedoch oft ethisch  fragwürdig, wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, radikal und teilweise nicht alltagstauglich. Schafft es jemand, mit Second-Hand- oder fair produzierter Kleidung in Grösse 42 gut auszusehen und nicht zu verarmen? Ich nicht. Kennt jemand einfach zu beschaffende, nachhaltige Möbel? Kein Portal hat mir bisher eine konkrete Marke empfohlen.

Ich habe wirklich Freude an meinen naturkosmetischen Artikeln, aber alles andere scheint mir schwer umsetzbar. Wie überzeugt man so andere mitzumachen? Ein gutes Gewissen reicht einfach nicht als Argument.

Links:

https://www.vice.com/alps/article/warum-sind-rechte-so-tierlieb

http://www.berliner-zeitung.de/oeko-und-rechts-wie–voelkische-siedler–ganze-doerfer-unterwandern-391000

http://www.deutschlandradiokultur.de/auf-dem-rassistischen-auge-fast-unbelehrbar.954.de.html?dram:article_id=146070

Buchtipp:

Achtung, Anthroposophie!: Ein Kritischer Insider Bericht (Lydie Baumann-Bay)

Kaum wahrnehmbar, kaum bekannt

Gestern Abend wollte ich mir einen ruhigen Abend mit dem aktuellen Buch gönnen. Ich war jedoch etwas unruhig, obwohl dazu kein offensichtlicher Grund bestand. Trotzdem schlief ich ein, wachte jedoch kurz nach 11 auf, als wäre etwas explodiert. Ich fühlte mich unendlich einsam. Ich konnte mich weder an ein ungewöhnliches Geräusch erinnern, noch an einen (Alb)traum. Nach einiger Zeit beruhigte ich mich und schlief wieder ein.

Normalerweise würde ich das Erlebnis achselzuckend zur Kenntnis nehmen, was solls, gelegentlich wache ich wegen der merkwürdigsten Dinge auf. Manchmal glaube ich Schatten zu sehen, aber auch dafür habe ich eine rationale Erklärung. Ich erfuhr jedoch heute Morgen, dass es in der Zentralschweiz am Vorabend heftige Beben gegeben hatte. Nachbeben gab es in der ganzen Schweiz.

Beim grossen Beben war ich wach, nahm jedoch bewusst nichts wahr. Ich erinnerte mich allerdings heute, dass ich bei Erdbeben schlecht schlafe. Es kann Zufall sein, zwei Beben sind eigentlich nicht genug, um eine Theorie aufzustellen. Ich habe trotzdem gegooglet, ob Beben psychische Nachwirkungen haben können. Zunächst fand ich nichts, was auf mich zutreffen würde, schliesslich war ich weder verletzt noch hatte ich mein Haus verloren. Ich stiess jedoch auf den Infraschall und hier wurde es interessant.

Infraschall sind sehr tiefe Töne, die wir Menschen nicht als Ton wahrnehmen. Bestenfalls nehmen wir ein Brummen wahr, das wir nicht orten können, häufiger ist aber ein unbestimmtes Vibrieren oder sogar Angstgefühle.  Besonders tiefe und dazu sehr laute Töne sind potenziell tödlich, da sie auf verschiedene Organe wirken. Die Töne kommen in der Natur vor, Elefanten kommunizieren mit ihnen, sie entstehen bei grossen Wellen, Wind, Gewittern oder eben Erdebeben. Viele Tiere bringen sich bei einem Erdbeben zeitig in Sicherheit und vermutlich nehmen sie genau diese Töne wahr. Vielleicht auch magnetische Änderungen, sofern Erdbeben solche auslösen können.

Menschen nehmen die Vibrationen manchmal als Teil des Wetters wahr, sie entstehen aber auch künstlich durch grosse Maschinen, leistungsfähige Subwoofer oder schiefe Wände und Unebenheiten in (alten) Häusern. Der Ton führt zu Angst und Frösteln, möglich sind auch leichte Halluzinationen, kurz: Was wir als Spuk bezeichnen, lässt sich in vielen Fällen mit Infraschall erklären.

Ich kann nicht beweisen, dass ich wegen des Bebens Infraschall wahrgenommen und darauf reagiert habe, es gibt durchaus naheliegendere Erklärungen, vielleicht eine leichte Panikattacke oder meine erste Migränenaura. Anderseits ist Infraschall eines dieser Phänomene, die in der Natur recht häufig vorkommen, jedoch relativ wenig bekannt sind, so dass man kaum etwas darüber weiss und leicht erschrickt. Wer weiss schon, dass manche Wokenformen unter bestimmten Lichteinfall zwangsläufig wie UFO aussehen, dass Wetterballone unter bestimmten Umständen von blossem Auge erkennbar sind oder dass die Schlaflähmung oft zu Albträumen mit fiesen Kobolden und Schattenwesen führt? Die in unserer Gesellschaft leicht für Ausserirdische gehalten werden? Für Fachpersonen ist das alles nicht der Rede wert, wer aber nichts davon weiss, kann sehr erschrecken.

Vielleicht helfen meine Gedanken jemandem. Mögliche Recherchegebiete: Meteorologie, Infraschall, Psychoakustik, Neurologie (eine Migräne wäre unangenehm, aber in den meisten Fällen ungefährlich)

Haarpflege II

Ich hatte meine Haare  ein Jahr lang nicht geschnitten, was selbst für meine Verhältnisse sehr lange ist, ich bin eigentlich der Meinung, Spitzen schneiden müsste alle 4-6 Monate sein, wenn ich die Mähne wachsen lassen will. Aber irgendwie flog der Herbst dahin und ich hatte keine Lust oder keine Zeit für den Coiffeur. Keine Lust vor allem, denn meistens wollen sie mir 1000 Produkte verkaufen und massieren und sonst noch Dinge tun, die ich nicht brauche. Vor 2 Wochen habe ich dann endlich einen Coiffeur gesucht und offenbar gefunden (er schneidet und sonst (fast) nichts, sehr angenehm) und habe die kaputten Spitzen schneiden lassen. Zumindest vorne hatte ich ziemlich viel Spliss. Meine Haare sehen wieder besser aus.

Bevor ich weitererzähle, hier meine aktuelle Pflegeübersicht für meine Haare:

  • nass machen, Wurzeln shampoonieren, gründlich auswaschen
  • Conditioner in die Längen, währenddessen Gesicht waschen und was auch immer tun, was gerade getan werden muss
  • Conditioner gründlich auswaschen
  • Haare mit dem alten T-Shirt vorsichtig antrocknen
  • mit dem Kamm einen Scheitel ziehen und Haare etwa so hinlegen, wie sie später liegen sollen und etwas kämmen
  • Haare an der Luft fast ganz trocknen
  • Haare kämmen und bürsten
  • Haare ölen und, wenn ich Zeit und Lust habe (also selten) crunchen

Ich bin sehr schnell wieder davon weggekommen, die Haare nicht zu bürsten, man sieht es einfach, wenn ich nichts mache. Stattdesse bürste ich und benutze anschliessend den Leave-In-Conditioner. Ob Spray oder Creme ist wohl Geschmackssache. Gehe ich abends aus, knete ich das selbe Produkt nochmals ein nach dem Bürsten. Noch lieber wasche ich sie natürlich, aber ich will auch den 2-Tages-Rhrythmus einhalten. Habe ich die Mähne am Donnerstag gewaschen, muss am Freitag das Auffrischen genügen und das tut es meistens auch.

Das Öl muss ich in die feuchten Haare kneten, sind sie erst mal ganz trocken, zieht es nicht mehr ein und meine Haare fühlen sich knusprig an.

Trotz Conditioner, Öl und Leave-In-Conditioner (von Urtekram mit Kokosöl, nach dem Sauberkunst-Shampoo mein Lieblingsprodukt im Moment) sind meine Haare hinten sehr trocken. Ich vermute, es gibt nicht das eine Produkt, das die Haare 2 Tage lang geschmeidig hält, aber verschiedene Pflegeprodukte, die die Haare immer wieder mit Feuchtigkeit versorgen und zwischendurch aufgetragen werden sollen.

Diese Routine wende ich jeden 2. Tag an und lasse nur selten etwas weg. Bin ich etwa unterwegs, wasche ich die Haare nur mit Shampoo und nehme nur den alten Pflegespray von Alverde mit. Was ich ausprobieren will: die gelegentliche, reichhaltige Haarkur. Aber die kaufe ich mir, wenn ich weniger pleite bin. Ich habe mich auf Konsumdiät gesetzt, gekauft wird nur, was wirklich notwendig ist. Leider ist das ziemlich viel.

Ich gucke mir gerne Tutorials für Afrolocken an, allerdings wäre die vorgeschlagene Pflege zu reichhaltig für meine Haare. Ich habe auch gar keine Lust, mich jeden Morgen 10 Minuten nur mit der Pflege meiner Haare zu beschäftigen, was ich mache, muss schnell gehen. Im Bad bin ich in erster Linie Minimalistin, Eitelkeit kommt an zweiter Stelle.

Bewusst Essen IV

Keine Sorge, es gibt noch andere Dinge, über die ich bei Gelegenheit bloggen will. Vorneweg kann ich auch gleich verraten, dass ich weiterhin genug esse, keine meiner eher seltenen Einladungen ausschlage und weiterhin keine Verbote kenne.

Auf den ersten Blick tut sich nicht viel, ich bin längst nicht so diszipliniert, wie es Anfang Jahr noch aussah. Ich mache keine Meditationsübung vor dem Essen, ich übe sie auch nicht mit der CD vor dem einschlafen und ich gehe weder regelmässig schwimmen noch mache ich Yoga. Letzte Woche war die reinste Schinkenorgie und gestern haben sich einige gewichtige Süssigkeiten in meinen Abend geschlichen. Ausserdem ist mein Spinatkäsekuchen misslungen und ich gestehe, 1/7 entsorgt zu haben. Die geschichteten Spinatblätter auf angebackenem Dinkelteigboden waren keine gute Idee, der Käse vermischte sich nicht und der Rahm schwamm obenauf. Obwohl ich die Blätter vorgekocht und gewürzt hatte, schmeckten sie unangenehm gesund. Vielleicht probiere ich es nächstes Mal doch lieber mal mit Börek. Scheint mir nicht übertrieben aufwendig zu sein.

Und doch… Ich nehme weiterhin meine D-Vitamine vom Supermarkt und sie haben mich davor bewahrt, zu viel zu rauchen. Trotz gelegentlicher Aussetzer gönne ich mir weniger Snacks und habe gelegentlich mit klarer benennbaren Gefühlen wie Unruhe oder Eifersucht zu kämpfen. Naja, kämpfen finde ich übertrieben, wir sprechen von normalen Gefühlen, die gelegentlich auftauchen. Sie hindern mich im Allgemeinen weder am Schlafen noch führen sie zu endlosen Grübeleien. Das unangenehmste Gefühl ist allerdings Wut auf Dinge, die ich nicht so schnell ändern kann. Trump wird wohl nicht schon morgen aus dem Verkehr gezogen und auch nächstes Jahr wird es schwierig sein, zum Studiumsende eine mir genehme Firma zu finden. Ich fühle mich ähnlich wie als Teenager. Jedenfalls kommt es mir so vor. Im letzten Jahr hat sich allerdings eine mütterliche Nuance hereingeschlichen und ich bin gespannt, was sich hier weiter entwickelt. Vorläufig jedoch spiele ich meine alten Gitarrenstücke. Nicht jeden Tag, aber doch mehrmals die Woche.

Ich esse weiterhin meistens mit Appetit morgens mein Joghurt mit den 5 Vollkornflocken. Nun ja, zumindest an Arbeitstagen. Diese Kohlenhydrate morges spare ich mittags wieder ein. Das heisst, insgesamt hat sich an der Menge meiner  Kohlenhydrate kaum etwas verändert, ich habe allerdings seither weniger Lust auf Teigwaren, Die Vollkornflocken vertrage ich besser als Vollkornmehl. Den zusätzlichen Platz auf meinem Mittagsteller kann ich manchmal mit Gemüse auffüllen, allerdings wird im Moment ziemlich oft Fisch angeboten und ich sage dazu selten nein. Dafür esse ich weniger Fisch zu Hause.

Was das Buch Abnehmen durch Achtsamkeit betrifft, stecke ich im zweiten Kapitel fest. Ich mag die Übungen, aber wenn ich Gitarre spiele, habe ich irgendwie keine Lust, danach noch zu meditieren, seien es auch nur 10 Minuten. Ausserdem sollte ich zur aktuellen Übung aufschreiben, wie ich mich fühle, wie ich gegessen und wie ich geatmet habe. Welchen Körperteil ich bei der Übung spüre. Abgesehen von etwas mehr Bewusstsein für meinen Körper kam mir das Schreiben banal vor und ich gab es wieder auf. Ausserdem konnte ich mich nicht dazu überreden, die Kurzversion der Übung vor dem Essen durchzuführen. Ich überlege allerdings weiterhin, worauf ich gerad Lust habe(n könnte) und das Gemüseangebot der Kantine entspricht wieder eher meinem Geschmack. Zudem benutze ich die lange Meditationsversion oft, um vor dem Einschlafen zu entspannen. Das funktioniert recht gut. Vor 2 Wochen konnte ich einmal gar nicht einschlafen, also loggte ich mich auf Youtube ein und suchte eine Entspannungsübung. Am Anfang dachte ich: Damit soll ich einschlafen können? Aber mein Bewusstsein verringerte sich wie das Sichtfeld zum Tunnelblick, wenn ich zu wenig gegessen habe und schockiert bin. Ich schlief umgehend nach der Übung ein.

Auch die Spaziergänge behalte ich ohne grossen Aufwand bei. Wenn ich um halb 8 im Büro sein muss, verzichte ich darauf und ein guter Ersatz für nach der Arbeit fehlt noch, heute machte ich allerdings eine Aufnahme, weil ich schon um 4 wach war und es sich nicht lohnte, eine Stunde später noch einschlafen zu versuchen.

Ich spaziere, lerne, mich mit Meditationsübungen zu entspannen, überlege, was ich essen will und spiele Gitarre. Ich sollte mir gratulieren, dies relativ problemlos hinzukriegen.

Bewusst essen III

Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Ernährung so spannend finden würde. Nicht dermassen faszinierend, dass ich euch künftig mit Foodlogs langweilen will (zumindest ich lese oder gucke diese Beiträge nicht). Ich will euch auch nicht zu lange mit Psychosachen aufhalten, dafür habe ich geduldige Freunde oder notfalls eine Fachperson.

Nach einigem Kreuz- und Querlesen habe ich mir kurz vor Weihnachten das Buch „Abnehmen durch Achtsamkeit“ von Norbert Seeger und Jochen Auer gegönnt. Der Titel gefällt mir nicht besonders gut, aber die Übungen sind schlicht und nüchtern. Es sind Meditationsübungen, die ich seit Weihnachten ziemlich regelmässig mache. Und sie scheinen zu wirken.

Ich habe mein Langweilessen deutlich minimiert, seit ich diese Übungen mache und seit ich versuche herauszufinden, welches Essen ich wirklich brauche. Am besten funktioniert das alles, wenn ich vor 9.30 frühstücke. Mir ist durch die Übungen sehr bewusst, dass ich öfters emotional esse. Mein persönlicher Beweis ist, dass ich seit dem Start dauernd von reissenden Flüssen träume und gemäss meinem Traumdeutungsbuch Wasser mit Angst vor Gefühlen verbunden ist. Nun bin ich meistens skeptisch gegenüber solchen Deutungen, aber wenn zwei Dinge so klar gleichzeitig auftreten… Dann neige ich dazu anzunehmen, dass ein Zusammenhang besteht. Es passt, ich bin eher kontrolliert. Aber Gefühle müssen halt irgendwo raus… Für diese Deutung spricht auch, dass ich sehr oft von Dingen träume, die mich am Abend beschäftigt haben. Aus diesem Grund gucke ich keine schlimmen Filme.

Ich denke, ich habe emotionales Essen als Teenager gelernt. Ich vergass es dann lange Jahre, das Leben war spannend und verlief bald wieder problemlos, mein Essen war  kein grösseres Thema. Aber Mitte 20 war  irgendwann etwas (ich erinnere mich nicht daran) offenbar zu gross für mich und ich begann, in manchen Situationen zu essen. Es verdrängte das störende, unangenehme Gefühl auf einfache Art und Weise. Es war mir halb bewusst und eigentlich wollte ich mit diesem doofen Verhalten wieder aufhören, aber irgendwie war es halt bequem und schlich sich langsam ein. Es ist nicht so, dass ich Unmengen esse oder trotz Hunger eine Mahlzeit ausfallen lasse. Aber es gab immer mehr Ausnahmen und mir war klar, dass das keine Lösung ist.

Ich bin zum Schluss gekommen, dass emotionales Essen nicht zu mir passt. Ich will das nicht. Ich will und kann meine Gefühle angemessen ausdrücken. Ich werde im Zweifelsfall wieder mehr zur Gitarre greifen und einige Lieder singen, vielleicht versuche ich mich wieder in Komposition. Ich möchte spazieren, wenn mir etwas zu viel wird und mich so wieder beruhigen, so dass ich danach hoffentlich schneller spüre, worauf ich Appetit habe. Und ich freue mich auf die vorletzte Übung im Buch, in der es darum geht, seine Grenzen festzusetzen. Ich weiss seit Jahren, dass ich meine Grenzen etwas energischer verteidigen muss und vermutlich werde ich genau dort künftig die eine oder andere Auseinandersetzung führen müssen. Ich finde es spannend, wie alles zusammenspielt und ein Gleichgewicht findet. Es klappt natürlich nicht alles sofort, aber ich möchte sehen, wie weit ich die nächsten zwei Jahre komme mit diesem Versuch.

Bewusst essen II

Eigentlich wollte ich schreiben, wie sich bewusst essen mit den Arbeitszeiten verträgt, aber es scheint mir unehrlich zu unterschlagen, dass die letzten zwei Wochen auf gut Diätdeutsch eine Sünde waren. Ich übertreibe nicht, ich habe mir zu viele Snickers und sonstige Extras gegönnt. Ich könnt mich nun dafür schuldig fühlen und kasteien, aber erstens ist das nicht meine Art und zweitens habe ich neue Erkenntnisse erhalten.

Mein Frühstück besteht immer noch aus zu viel Zucker und Milchprodukten, aber wenn es dabei bleibt, ist alles in Ordnung. Zuviel Laktose vertrage ich nicht. Eigentlich nichts Neues, neu ist nur, dass ich was anderes finden will, das schnell geht und nicht zuviel kostet. Die veganen und sojafreien Karmajoghurte von Coop sind toll, aber eher teuer und somit nichts, was ich mir täglich gönnen will.

Am Montag kaufte ich mir besagten Snickers, den ich allerdings erst am Dienstag wirklich „brauchte“. Ja, ich hatte etwas Hunger oder brauchte Energie, so genau weiss ich es nicht mehr, aber ich hätte problemlos von meinen Nüssen essen können, statt dieses Zuckerdings. Nicht zum ersten Mal war mir bewusst, dass das Ding mir eigentlich zu süss ist. Was mich aber wirklich erstaunte war, dass ich träge wurde und selbst im Supermarkt einige Stunden später keine Ahnung hatte, worauf ich Appetit hatte. Wobei das nicht nur an der Schokolade lag, sondern auch am Kaffeekonsum, denn Sonntagabend war ich fort gewesen, hatte folglich zu wenig geschlafen und das mit Kaffee kompensiert. Leider war ich zwei Wochen vorher auch halb krank und schlapp gewesen, weshalb mir diese Woche auch nichts daran lag, schon um 9 fertig im Bett zu liegen. Wie langweilig, das Leben besteht schliesslich nicht nur aus Arbeit und Schlaf. Das Desaster nahm Dienstag also seinen Lauf und am Mittwoch, als ich mir eine andere Süssigkeit gönnte, fühlte ich, dass meine intuitive Grenze durchbrochen und der Suchtmodus aktiviert war. Heute ist Donnerstag und ich musste einfach Caramels haben, bis der Bauch schmerzt. Es ist halb 11, ich muss um 6 raus und ich weiss jetzt schon, dass ich morgen mindestens 2 Kaffees brauche.

Aber wie gesagt, ich habe etwas gelernt: Süssigkeiten oder Chips sollte ich höchstens alle 2 Tage nehmen und es dabei bei einer Portion belassen. 30g Chips zum Beispiel scheinen innerhalb der Grenzen zu sein. Auch beim Fleisch gibt es Mengen, die mir gut tun, und was darüber ist schmeckt mir gar nicht.

Nun aber zur Frage, wie Intuitives Essen beim Arbeiten funktioniert. Ich nenne es bewusstes Essen, weil Achtsamkeit eine Rolle spielt und es so für mich passt, aber Intuition ist mir fast noch wichtiger. Was mache ich, wenn ich um 10 Gurken will?

Mein Arbeitgeber bietet jeden Tag gratis Früchte an. Ich werde um 10 Uhr morgens nicht in den Supermarkt rennen und eine Gurke kaufen, sondern eine Frucht nehmen. Wahrscheinlich eine Banane, im Moment eine Mandarine, was in der Konsistenz einer Gurke recht nahe kommt. Womöglich reicht die Mandarine und zu Mittag kann ich freier wählen, was ich esse. Wenn nicht: Wir haben ein Buffet, das meistens Gurken anbietet. Rohe Rüebli gibt es auch, die würden wahrscheinlich auch ihren Zweck erfüllen.

Komplizierter ist es allerdings, wenn ich mir Spinat wünsche und Kohl angeboten wird. Das kann echt schwierig sein, weil ich viel Gemüse, eben auch Kohl, nicht mag. Ausser als Salat. Kann mir jemand erklären, warum er dann Coleslaw heisst? Es heisst Chabissalat und ich weigere mich, das anders zu nennen. Jedenfalls kann ich Pech haben und keinen Spinat erwischen. In diesem Fall nehme ich mir vor, das Gemüse am Abend zu kochen.

Wenn ich gut esse, habe ich am Nachmittag keinen Hunger. Notfalls würde ich aber diesmal in den Supermarkt gehen und mir eine Frucht holen, aber zu diesem Zeitpunkt sind meine Nüsse eigentlich gut genug. Wenn ich ehrlich bin kommt es mir bei Arbeiten gar nicht so drauf an, was ich genau knabbere. Ist der Vorrat zu Ende, kaufe ich wahrscheinlich zur Abwechslung was anderes. Ich habe normalerweise keine Lust auf Reiswaffeln, wenn ich gerade Darvida in der Schublade habe.

Das einzige wenig intuitive ist die Mittagszeit. Ich habe um 12 Hunger. Um halb 12 esse ich etwas weniger, um 1 bin ich froh, einen Vorrat zu haben, von dem ich etwas geknabbert habe. Das ändert dann allerdings nichts daran, dass ich von 12 bis halb 2 oder 2 sehr unproduktiv bin und gerade das Nötigste tue. Das aber immer zufriedenstellend. Im Moment stört mich das nicht, mittelfristig möchte ich aber einen Job, bei dem ich essen kann, wann es mir am besten passt und so lange Mittag mache, wie ich brauche.

Anderseits ist die Kantine ein Glücksfall, weil ich meistens etwas finde, das mir gerade guttut. Notfalls kann ich meine Spinatlust auch am darauffolgenden Abend stillen. Das ist ähnlich wie mit dem Wc, man kann es meistens problemlos 2 Stunden aufschieben, wenns gar nicht passt, im Ausnahmefall auch einen halben Tag. Mehr ist aber ungesund. Mein Essen ist da geduldiger und Gelüste können mich auch verfolgen, bis ich nachgegeben habe: Ich brauche selten Rahm oder Rohschinken, aber wenn sich die Lust meldet, dann kann sie auch 2 Wochen bleiben. Es ist also angenehmer, sie innert 2-3 Tagen zu befriedigen.

Verschwörungen und geheimes Wissen

Als Teenager fand ich Verschwörungen hoch spannend. Besonders fasziniert war ich von Alien-Entführungen (wenige wissen, dass Kobolde sehr ähnlich aussehen wie Aliens und Nachtmahre ähnliche Symptome verursachen. Was für ein Zufall!), aber im Grunde las ich alles, was mir zwischen die Hände kam. Zwischen 17 und 20 kam auch das Internet dazu und ich verbrachte Stunden damit, die aufregendsten Theorie zu lesen. Allmählich jedoch fiel mir auf, dass seit 50 Jahren keine Auflösung in Sicht ist, dass meistens „die Juden“ ein hinterhältiges Spiel treiben sollen oder dass das, was Spass macht (in meinem Fall Rockmusik) einfach böse sein soll. Ich bin zwiegespalten was grosse Theorien betrifft. Viele scheinen auf dem ersten Blick möglich zu sein, sie sind aber meistens unwahrscheilich. Auf den zweiten Blik gibt es Probleme mit den Naturgesetzen, am häufigsten aber sind die Beweise dürftig.  Ich beginne mit Argumenten, die gegen Theorien sprechen, im weitesten Sinne geht es um Musik.

In der Rockmusik kommt der Teufel bereits zu Blueszeiten ins Spiel. In Amerika gibt es unzählige Legenden über arme Teenager, die eines Nachts an einer dunklen Kreuzung mit dem Teufel ein Pakt eingehen. Auch von Jimi Hendrix heisst es, er habe düstere Verbindungen. Die wilden Vermutungen bleiben, als der Blues sich allmählich zu Rock entwickelt.

Bis Woodstock versucht die Kirche, die Kontrolle über die Menschen zu behalten. Die Lockerung von Tanzverboten und die Erfindung der Pille sind ein schwerer Schlag für die religiöse Autorität. Dazu kommt, dass in den neuen Discos vermehrt Alkohol ausgeschenkt wird und somit Hemmungen wegfallen. Die sexuelle Revolution kann man durchaus kritisch sehen. Offenbar kam die freie Liebe eher den Männern als den Frauen entgegen und bis heute hat sich an diesem Problem nicht so viel geändert. Anderseits kann ich nicht behaupten, dass die Kirche besonders frauenfreundlich wäre. Fakt ist jedenfalls, dass ein gelockerter Umgang mit Sex die Schuldgefühle verkleinert und damit ein Kontrollmöglichkeit wegfällt.

Etwa zu der Zeit taucht die Idee versteckter Botschaften auf Schallplatten auf. Wenn man die Platten rückwärts laufen lasse, höre man Teufelsbeschwörungen. Nun, hier wirds für mich defintiv merkwürdig. Man muss nicht nur die Eingebung haben, die Lyrics so zu wählen, dass sie rückwärts gespielt und mit den Instrumenten zusammen halbwegs verständlich sind. Man muss seine Fans auch noch dazu bringen, es zu tun. Ich habe mir vor vielen Jahren die Soundschnipsel angehört. Ja, mit etwas Fantasie hörte ich das, was angeblich zu hören war. Aber genau so gut kann ich weiterhin was von Agathe Bauer singen. Zum einen finde ich diese Verführungsmethode ziemlich ineffektiv, welcher Teenager kommt einfach so auf solche Ideen? Zum anderen wurde das Gerücht im Laufe der Zeit noch absurder, denn nun sollte ein Hirn in der Lage sein, die Beschwörungen beim korrekten Abspielen der Schallplatte zu verstehen. Selbst bei Schweizer Fans, die kaum ein englisches Wort sprechen? Heute lebt die Idee in NLP-Tracks weiter. Skeptiker bezweifeln, dass NLP überhaupt nachhaltig funktioniert, selbst wenn die Beschwörung gut verständlich ist.

Seit den 80ern hat Rockmusik an Faszination verloren und Bands, die mit okkulten Symbolen provozieren, sind privat oft umgänglich und gebildet. Jedenfalls legen das Interviews nahe. Schwere Kutten, merkwürdige Rituale und Pentagramme dienen der Provokoation und das verfängt selbst heute noch. Einfach lächerlich. Kein Wunder, dass damit gespielt wird. Darüber hinaus fehlt mir ein richtiges Motiv und ein Beweis für die Verführung der Jugend. Weder das eine noch das andere ist mir je begegnet. Mir scheint die Beeinflussung von Anfang an fruchtlos, ausserdem werden nur wenige erreicht. Die meisten Verschwörungstheorien haben keine konkreten Motive. Chemtrailanhänger wissen nicht, ob sie unfruchtbar gemacht oder mit Gift (welches?) ruhiggestellt werden.

Ende der 90er Jahre, Anfang des neuen Jahrtausends taucht ein gewisser japanischer Forscher namens Emoto auf. Ihm verdanke ich den kritischen Blick auf Verschwörungstheorien, wenn auch seine Versuche keine Verschwörungen aufdecken sollten. Ich entdeckte ihn in einer esoterischen Zeitschrift und die anderen Artikel fand ich völlig übertrieben.

Emoto beschallte Wasser mit Musik, beschimpfte und belobte es und fror es ein. Er fotografierte die so entstandenen Kristalle und die mit positiven Worten und klassischer Musik beschallten Proben sind, gemäss ihm, schöne Kristalle, die mit Rockmusik und Schimpfwörter misshandelten sind unförmig. Ehrlich gesagt konnte ich diese Unförmigkeit nicht erkennen. Womöglich waren weder Emoto noch ich spirituell genug, die höhere Ordnung der Rockmusik zu erkennen. Am meisten störte mich aber, dass dieses Experiment sich überhaupt nicht  mit meinen Empfindungen deckte. Rockmusik macht mich heute noch glücklich. Einer musste falsch liegen und keine Sekunde zog ich in Betracht, dass ich es sein konnte.

Emoto tauchte Jahre später wieder in meinem Leben auf. Man hatte seine Ergebnisse nicht reproduzieren können. Wie ich bereits anderswo kurz erwähnt habe, spielt keine Rolle, mit welcher Musik Pflanzen beschallt werden. Man hat auch das Wassergedächtnis, das der Forscher gefunden haben will, gesucht. Ja, das Wasser erinnert sich. Einige Mikrosekunden lang, wenn überhaupt. Also nicht lange genug, um in gefrorenem Zustand einen Kristal zu beeinflussen. Selbst wenn Wasser sich an irgendwas erinnern könnte, bliebe offen, wie es Gutes von Schlechtem unterscheidet. Dafür wäre ein moralisches Verständnis notwendig und ich wüsste schon gerne, was die Rockmusik Schlechtes im Sinn hat.

Ich habe tatsächlich einen Buchtipp:

Thomas Grütter: Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren

Im amerikanischen Raum scheint es mehr Skeptiker zu geben. James Randi etwa, oder Brian Dunning. Ich bin mit ihnen allerdings auch nicht immer einig, denn es gibt offizielle Tabus in der Forschung. Mit einseitigen Forschungsergebnissen lassen sich manche Dinge zwangsläufig nicht befriedigend erklären. Es gibt kaum Gelder für die Erforschung der Massenpsychologie der (christlichen) Religion. Auch LSD ist nur in wenigen Ausnahmefällen zu Forschungszwecken zugelassen. Es wäre Zeit, diese Beschränkungen aufzuheben, denn sie dienen höchstens den Falschen. Es ist wie mit den Zauberern: Jeder kann selber einschätzen, ob das Kennen der Tricks sie weniger wertvoll macht, nichts ändert oder die Bewunderung für den Zauberer sogar vergrössert.

Es gibt also tatsächlich Wissen, das nicht weitergegeben wird und selbstverständlich gibt es auch Verschwörungen.  Der türkische Putschversuch ist eine. Es gibt mindestens drei Parteien mit verschiedenen Motiven. Im Unterschied zu Theorien lassen sie sich teilweise oder vollständig auflösen. Aber aus logi(sti)schen Gründen ist es unmöglich, abertausende Personen hinters Licht zu führen und dies über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte absolut geheim zu halten. Man kann sich natürlich menschliche Eigenschaften zunutze machen und hoffen, dass die meisten genau so handeln werden und der Plan aufgeht. Ich glaube aber, durchaus im religiösen Sinn, die Welt ist so komplex, dass kein Mensch und kein Computer sie jemals komplett beherrschen kann. Ich glaube, dass wir eines Tages womöglich die ganze Welt werden erklären können, aber niemals ganz begreifen.

Geheimes Wissen wird zum grössten Teil durch Faulheit geschützt und dadurch, dass es ohne grosses Hintergrundwissen und viel Übung unnütz ist. Wenn ich annehme, mit einer Salbe und einem Besen fliegen zu können, muss ich wissen, wie ich dabei geistig gesund bleibe. Oder den Dämonen ausweiche, je nach Sichtweise. Wichtig ist einfach, die Salbe als Werkzeug und nicht als Fluchtmittel zu gebrauchen, denn sonst werden die Probleme einen einholen und wie gesagt, davon hat man nichts. Der vermeintlich einfache Weg ist die Faulheit. Das Geheimnis ist weder, dass man mit der Salbe fliegt, noch, wie sie hergestellt wird. Das Geheimnis besteht darin, sich und seine Grenzen zu kennen und Selbstverantwortung zu übernehmen.

Die schlechte Nachricht ist: Es kommt gierigen und machthungrigen Personen entgegen, wenn gewisse Dinge Tabu bleiben und nicht erforscht werden oder wenn Menschen sich erschöpft vor dem Fernseher mit Chips vollstopfen. Aber die gute Nachricht ist: Niemand kann einen daran hindern, den Fernseher auszuschalten, ein Buch zu lesen oder joggen zu gehen. Werbung und Glutamat können niemanden daran hindern, aufzustehen. Sitzen bleiben ist eine Entscheidung. Eine, die ich immer noch zu oft treffe. Der Kreis zum Minimalismus schliesst sich, dabei war das gar nicht meine Absicht 🙂

 

 

Bullet Journal

Vor dem Studium führte ich keine Agenda und eigentlich brauchte ich auch jetzt nicht unbedingt eine. Es hilft jedoch, Termine und Aufgaben in einem Kalender zu organisieren und die Wochen und Monate zur Hand zu haben und alles auf einem Blick zu überfliegen. Wobei die Agendasuche immer ein Kampf war: Die Woche muss auf einer Doppelseite abgebildet sein und am Montag anfangen links oben, Sonntag rechts unten, das Papier muss matt sein (ehrlich: wer schreibt auf rutschigem Hochglanz?!), Die Wochen dürfen gerne verziert sein, aber die Zeichnungen sollen nicht 2/3 meiner Schreibfläche einnehmen und zu guter Letzt wäre ein hübsches und erwachsenes Cover keine schlechte Idee. Snoopy-Agenden erfüllten einige Jahre ihren Zweck, das war allerdings noch zu Schulzeiten. Als ich nicht mehr wissen wollte, wann Österreich Schulferien hat oder ob die Lehrer in Baden-Würtemberg am 2. Januar arbeiten, schrumpfte das Angebot nochmals. Dazu kam, dass ich teilweise wochenlang nichts einzutragen hatte und handkehrum ganz dringend einen neuen Budgetplan schreiben oder eine ToDo-Liste erstellen wollte. Dafür hatte ich nie Platz. In einem ersten Schritt bastelte ich eine Agenda mit 2 Monaten im Voraus und  zwischen jedem Monat liess ich eine Doppelseite frei für Notizen. Die ich nicht schrieb. Die Seiten brauchte ich als Notizpapier für meine Einkaufszettel oder schnellen ToDo-Listen.

Andererseits war und ist da das Tagebuch. Ich führe schätzungsweise das achte Tagebuch seit ich in der Primar die Aufgabe hatte, ein oder zwei Wochen lang Buch zu führen. Leider habe ich die ersten Seiten herausgerissen. Der erste Eintrag beschrieb in wenigen Sätzen eine Wanderung. Dann kam glaub ich 2 Jahre lang nichts und irgendwann war ich 12 Jahre alt: Ich musste über Jungs schreiben. Anfangs noch etwa einmal pro Jahr, dann immer regelmässiger. Läuft nicht viel, schreibe ich durschnittlich einmal im Monat, ist das Leben hingegen gerade hochspannend, können es schon mal 3 Einträge pro Woche sein. Irgendwann beim Durchblättern fand ich, die ewigen Jungsgeschichten würden mein Leben nicht genügend genau darstellen, schliesslich gab es inzwischen andere Dinge, die auch die grösste Liebesgeschichte in den Hintergrund treten lassen konnten. Ich begann, meine poliltischen Gedanken festzuhalten und Bürodinge. Zwischendurch versuchte ich ein Esstagebuch, aber das schlug fehl.

Dieses Jahr (ich bin immer die letzte, die vielleicht einen Trend aufnimmt) stiess ich auf den Begriff Bullet Journal. Es gibt dazu, wie könnte es anders sein, eine offizielle Seite, und zahlreiche Blogger und Youtuber, die ihre Werke zeigen. Im Wesentlichen geht es darum, einen Index zu führen, die Seiten zu nummerieren, die Tage und Monate zu organisieren um letztlich seine Ziele zu erreichen. Trainingseinheiten werden getrackt, die getrunkene Wassermenge kontrolliert, schöne Momente festgehalten, und und und. Mir gefiel einerseits der klare Aufbau und anderseits die Möglichkeit, gewisse Dinge in einem einzigen Buch festzuhalten. Ich will keine Extrahefte für jedes Selbsthilfebuch, das ich durchackere, und meine politischen Notizen im Tagebuch zusammenzusuchen ist mühsam. Das Bullet Journal schien meine Probleme zu lösen.

Im September wollte ich zuerst die „alte“ (eigentlich ganz neue) Agenda fertig führen und allmählich ins Bullet Journal einsteigen. Ich war aber so gierig darauf, wenigstens meinen Zyklus zu führen, dass ich die  selbstgebastelte Agenda (bis Juni 2016), die nicht funktioniert hatte, kurzerhand umfunktionierte. Gleichzeitig hatte ich dort meine Notizen zu Schweppe begonnen. Der Index ist nun auf Seite 10 und bis Ende Jahr werde ich das Heft nicht ganz ausfüllen können. Aber ich habe genügend Einkaufslisten zu schreiben 😉 Das Papier wird also benutzt. Im November konnte ich was zu Trump schreiben und weil ich den nassen Frühling in Erinnerung habe, nahm ich gleich noch das Wetter als Beobachtungsobjekt auf.

Es soll Schreiber geben, die in einem einzigen Buch auch private Gedanken notieren. Ich werde dafür weiterhin das normale Tagebuch vollschreiben. Ins Bullet Journal kommen mehr oder weniger objektive Beobachtungen und Selbsthilfebüchernotizen. Ich muss zugeben, dass mir das Beobachten im Moment mehr Spass macht als die Wochenplanung. Aber genau das ist im Bullet Journal erlaubt: Wenn ich im Juli nur am schwimmen bin und einen oberflächlichen Flirt habe, dann schreibe ich nur im Tagebuch spannende Details. Im August schreibe ich vielleicht eine Packliste für die Ferien und im September halte ich möglicherweise mehr über ein Abstimmungswochenende fest.

Wie mein Bullet Journal aussieht? Es hat noch keine endgültige Form. Wochenpläne sind schlicht in Schwarz, Beobachtungen haben einen farbigen Titel mit ausgemalten Buchstaben. Ich bin eine Niete im Zeichnen, Zeigefinger sehen wie, nun ja, ein anderer Körperteil aus, aber Buchstaben kriege ich hin.